Martina Aden: Der falsche Friese

Ein Buch so richtig nach meinem Geschmack für einen heißen Sommernachmittag: witzig, spannend, mit sympathischen und authentischen Figuren und viel ostfriesischem Lokalkolorit. Vor allem die Protagonistin, mit ihrem ausgeprägten Hang zu kalorienreichen Speisen und besonderen Desserts, wächst beim Lesen des Küsten-Krimis von Martina Aden regelrecht ans Herz.

Elli Vogel, die auch schon im ersten Buch der Autorin mit dem Titel „Kluntjemord“ über Leichen stolperte und in Lebensgefahr geriet (leider habe ich diesen ersten Band verpasst), schreibt Bücher, die durch ihre Abenteuer ungeahnte Verkaufserfolge erleben.  Um sich aber ihren Lebensunterhalt zu verdienen, akzeptiert sie das Angebot der örtlichen Zeitung, regionale Berühmtheiten zu porträtieren. Gleich ihre erste Recherche führt sie zum Fall des seit vierzig Jahren verschollenen Andreas Kalski. Der damals Anfang Zwanzigjährige war ein Frauenheld und als Sohn einer berühmten und wohlhabenden Künstlerin auch begehrter Junggeselle.

Ellis Nachforschungen, die nicht alle, denen sie ihre Fragen stellt, willkommen sind, bringen nicht nur mehrere Verbrechen ans Tageslicht und etliche Verdächtige ins Schwitzen, sondern decken auch das eine oder andere Geheimnis im Leben von Ellis Mutter auf. Diese steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Ellis Vater, nach jahrzehntelanger „wilder“ Ehe. Doch die Hochzeit scheint unter keinem guten Stern zu stehen, denn im Vorfeld geschehen allerlei Unfälle.

An Ellis Seite bei ihren Recherchen stehen ihre Freundinnen Diana und Alexa, die eine eine zu jeder Schandtat bereite, aktuell mit einem Clown verbandelte Friseurin, die andere erfolgreiche Malerin mit einer verdächtigen Vorliebe für Knastbrüder. Ellis Freund Phil hingegen, einem Münchner Kriminalbeamten, wäre es lieber, sie würde sich aus Mordfällen und anderen Verbrechen heraushalten, denn er sorgt sich um sie.

Die vielen Figuren, die den Krimi bevölkern, sind wunderbar skuril gezeichnet, dabei aber nie überzeichnet, sondern mit liebevollem, nachsichtigen Humor und Augenzwinkern. Die Dialoge sind lebensnah und mancher ist so witzig, dass man beim Lesen oft laut lachen muss. Das ist es auch, was mir an diesem Roman so besonders gut gefällt: die Pointen sitzen so perfekt wie die Leuchttürme an der Küste, der Humor ist spritzig, ohne übertrieben zu sein, er hält sich dort zurück, wo er nicht hinpasst. Dazu kommt die gelungen aufgebaute Spannung, so dass ich den Roman wirklich erst aus der Hand legen konnte, als ich die letzte Seite umgeschlagen hatte.

Rundherum ein vergnüglicher Krimi, der Appetit auf weitere Bücher aus der Feder dieser Autorin macht. Ich werde jedenfalls danach Ausschau halten.

Martina Aden: Der falsche Friese.
Emons, Juli 2020.
288 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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