Martin Suter: Elefant

Martin Suter verknüpft im Plot seines neuen Romans ein fiktives Endprodukt aus dem Bereich der Genmanipulation in Form eines kleinen, rosarot leuchtenden Elefanten mit wirklichkeitsgetreuen Szenen und einem sympathischen Protagonisten aus dem Obdachlosenmilieu.

Als der Obdachlose Fritz Schoch in seiner unterirdischen Behausung plötzlich einen kleinen, rosarot leuchtenden Elefanten sieht, schreibt er dieses Phänomen zuerst seinem Alkoholkonsum zu. Doch das leuchtende Tierchen existiert wirklich. Schoch entwickelt Beschützerinstinkte und bringt es zu einer Veterinärmedizinerin.

Schnell wird klar, dass hier Genmanipulation im Spiel sein muss.   Mit dem Erzählstrang um den Genforscher Roux und seinem finsteren Treiben wächst die Spannung. Roux ist ein nach Profitgier und um Erfolg heischender Getriebener. Nachdem sein früherer Chef sich die Lorbeeren aus Roux‘ Forschung selbst einverleibt hat, gründete Roux aus Rache sein eigenes gentechnisches Labor. Sein Ziel: patentierbare Tiere zu generieren, die nicht nur im Dunkeln leuchten, sondern auch bei Tageslicht eine spektakuläre Farbe annehmen. Es gelingt Roux, in Eizellen eine Kombination aus Luziferin und dem Pigment von Mandrillaffen zu integrieren, was einen Leuchteffekt hervorbringt. Mit Spannung erwartet er die Niederkunft einer Elefantenkuh, die das Resultat einer künstlichen Insemination zur Welt bringen soll.

Doch der Asiate Kaung, der als Elefantenbetreuer im Zirkus Pellegrini arbeitet, macht Roux einen Strich durch die Rechnung. Kaung, in dessen Heimat Elefanten verehrt werden, will das leuchtende Elefantenbaby, bei dessen Geburt er anwesend ist, beschützen, weil er etwas Heiliges in ihm sieht. So sucht Kaung  nach Wegen, das kleine Tier vor Roux und dem drohenden Sensationsrummel zu retten.

Mit dem fließenden Übergang von fiktiven Möglichkeiten und Manipulationen in der Gentechnik zum gängigen Alltag von Menschen am Rand der Gesellschaft und ihren unterschiedlichen Interessen, hält Suter die Spannung und treibt den Plot voran.

In dieser Geschichte spekuliert Suter mit Möglichkeiten, Grenzen und verantwortungsvollem Umgang in der Gentechnologie und nimmt einem negativen Szenario mit einem liebenswerten Elefantenbaby den Schrecken.

Martin Suter: Elefant.
Diogenes, Januar 2017.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.