Martin Alexander: Die Chimäre – Silben der Macht

martDie Macht der Drei Türme scheint, nach dem Erbfolgekrieg, gebrochen. Die Sonnenpriester haben den dritten Turm geschleift, die Magier verfolgt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Doch deren Forschungen leben, zumeist im Verborgenen, fort. Chimären, so raunt man im Geheimen sind unterwegs, Gargoyle schwingen sich durch die Lüfte, das Erbe der Magier wiegt schwer.

Ezra ist das Resultat eines solchen Experiments. Als Mischung aus Mensch und Tier wurde sie als begnadete Kämpferin erschaffen, jetzt ist sie ein Überbleibsel einer Zeit, die man vergessen will und die von den Inquisitoren gnadenlos gejagt wird. Dabei will die junge, gerade einmal siebzehn Lenze zählende Frau nur wissen woher sie kommt.

Nach dem Tod ihrer Mutter, mit der zusammen sie in einem abgelegenen Fischerdorf Unterschlupf gefunden hatte, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Herkunft. In dem Tuchfärber und gescheiterten Magier Odo findet sie einen Unterstützer. Von Mandrid, einem Priester erfährt sie, dass sie ihren Fluch beenden und zur echten Frau werden kann, wenn sie die letzten Atemzüge der drei Magier, die sie geschaffen haben einatmet. So macht sie sich auf, nach ihrem Erschaffen zu suchen und Rache zu üben. In den Berichten der Staublingen findet sie erste Hinweise auf ihre drei Väter. Ein jeder der Türme muss zu ihrer Schaffung beigetragen haben – jetzt gilt es, die verstreut und sich verbergenden Magiker aufzuspüren …

Mit seinem Roman „Meister der Türme“ feierte Martin Alexander sein Debut auf der phantastischen Buchbühne. Und, was der junge Autor aus der Hauptstadt hier vorlegte, das las sich wahrlich nicht schlecht. Voller Verve, mit markanten, interessanten Figuren und einer ganz eigenen Welt verblüffte und überzeugte der Autor.

Nun kehrt er zurück nach Royum, wobei er uns dieses Mal eine andere, eine ganz neue Geschichte zu Gehör bringt.

Mit der ob ihrer ungewissen Herkunft und unbekannten Fähigkeiten geplagten Ezra hat er eine gute Wahl getroffen. Als Protagonistin ist sie geradezu ideal besetzt. Selbst unwissend, neugierig dabei gleichzeitig als fähige Kämpferin unterwegs folgen wir ihr gerne ins Abenteuer. Dabei ist sie ungestüm, oft unbeherrscht und dann wieder verunsichert und grüblerisch gezeichnet. Und was für ein Abenteuer erwartet uns. Wir lernen neue Landstriche kennen, kehren zu den Türmen und ihren arkanenen Geheimnissen zurück, beobachten magische Geschöpfe ebenso wie mutige Kämpfer.

Das präsentiert uns naturgemäß typische Versatzstücke eines Fantasy-Romans, diese aber sehr geschickt und versiert aufbereitet. Immer wieder versteht es Alexander uns mit so nicht vorhersehbaren Entwicklungen zu überraschen, zeichnet er bekannte Figuren ein wenig anders als erwartet und fügt seiner Weltenschöpfung neue Facetten hinzu. Dabei wird insbesondere die innere Unsicherheit Ezras sehr deutlich beleuchtet, können wir Leser ihre Haltlosigkeit, ihre Verzweiflung ob der unerwarteten Offenbarungen bezüglich ihrer Herkunft gut nachvollziehen.

Insoweit eine gelungene Rückkehr nach Royum dem hoffentlich noch weitere Ausflüge in diese faszinierende Welt folgen werden.

Martin Alexander: Die Chimäre – Silben der Macht.
Bastei Lübbe, Juli 2016.
416 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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