Mark Forsyth: Eine kurze Geschichte der Trunkenheit

Wem es bislang noch nicht klar war, dem wird spätestens mit der Lektüre von Mark Forsyths unterhaltsamen Buch ein Licht aufgehen: Alkohol und Trunkenheit haben in der Geschichte der Menschheit schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Der Leser wird in jedem der 18 Kapitel durch eine andere Epoche bzw. Zivilisation der Menschheitsgeschichte geführt und erfährt, welche Rolle der Alkohol dort spielte.

Es beginnt bereits in der Frühgeschichte der Menschheit. So fand man in der uralten Stadt Göbekli Tepe (Türkei) große Steinwannen, in denen sich vermutlich Alkohol befand, wenn an diesem Ort die damals noch als Jäger und Sammler umherstreifenden Menschen zusammenkamen. Überhaupt, vermutet Forsyth, könne Bier durchaus eine wichtigere Rolle beim Sesshaft werden der Menschen gespielt haben als allgemein angenommen, da es ähnlich nahrhaft wie Brot ist, aber wesentlich leichter herzustellen.

Nach diesem Einblick in die Frühzeit führt Forsythe den Leser weiter nach Mesopotamien, wo die Sumerer sogar eine Göttin des Bieres hatten. Sie trug den Namen Nikasi. Weiter geht es mit einer äußerst aufschlussreichen Schilderung des, nun ja, eher entspannten Verhältnisses, das die alten Ägypter zum Alkoholgenuss und dessen Folgen hatten sowie dem deutliche komplizierteren Umgang, den die Griechen insbesondere mit dem Wein pflegten.

In seinem äußerst amüsanten Buch fasst Forsyth den Leser quasi bei der Hand und nimmt ihn mit auf eine Reise durch die Kneipen und Lokale der Menschheitsgeschichte. Das alte Rom, China, die Wikinger, die Azteken, Russland und der Wilde Westen sind einige weitere Stationen, die besucht werden.

Es ist ein großer Spaß, dieses Buch zu lesen. Und zwar nicht nur deshalb, weil es in einem lockeren und unterhaltsamen Stil geschrieben ist, sondern weil es auch ein sehr lehrreiches und intellektuell ansprechendes Buch ist. Ich habe wohl noch nie so viel Neues über die Geschichte der Menschheit gelernt und dabei zum Teil wirklich Tränen gelacht.

Mein (von Begeisterung trunkenes) Fazit lautet: Das Buch ist schmackhaft und beschwingend wie ein guter Wein. Einfach ein Genuss!

Mark Forsyth: Eine kurze Geschichte der Trunkenheit: Der Homo alcoholicus von der Steinzeit bis heute.
Klett-Cotta, Juni 2019.
271 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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