Marion Messina: Fehlstart

Einen hervorragenden Blick in das Innenleben (mutmaßlich) vieler jungen Menschen von heute gewährt uns die französische Autorin Marion Messina mit ihrem Debütroman „Fehlstart“.

Die 19-jährige Aurélie setzt alles daran, dem Arbeitermilieu ihrer Eltern in Grenoble zu entfliehen. Doch das Leben nach der Schule entpuppt sich als schwierig. Eine erste Liebe, in die sie sich mit Haut und Haaren stürzt, scheitert. Aurélie flieht nach Paris, wo sie sich ein weltläufiges Bohème-Leben als Jura-Studentin erhofft. Doch leider empfindet sie die Seminare und Vorlesungen als tödlich langweilig – also sucht sie sich einen Job als Empfangsdame ohne wirkliche Aufgabe, der nicht minder öde ist.

Auch in der Liebe läuft es alles andere als rund. Aurélie schwankt zwischen dem Langweiler Franck und dem vom Leben enttäuschten Benjamin, der auf sie jedoch keinerlei erotische Ausstrahlung hat. Hinzu kommt die Schwierigkeit, in der Millionenstadt eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden.

Marion Messinas Roman ist böse, düster, pessimistisch zynisch und sehr aktuell. Und er steckt voller Wahrheiten – zumindest für diejenigen Zeitgenossen, die sich mit dem Tunnelblick auf Karriere, Werbe-Glitzerwelt und Mainstream nicht zufrieden geben wollen: Twens mit guten Schulabschlüssen und allerlei sonstigen Qualifikationen beispielsweise, die als Pizzaboten oder ewig lächelndes Inventar hinter dem Tresen im Foyer eines Luxustempels versuchen müssen, irgendwie über die Runden zu kommen.

Oder wie Aurélies erste Liebe Alejandro, ein Kolumbianer, der sich weder in Frankreich, noch in Kolumbien heimisch fühlt. Sie alle sehnen sich genauso danach, die Großstadt auf ewig zu verlassen und ein Landleben zu führen wie sie Angst genau davor haben.

„Fehlstart“ ist ein unbedingt lesenswerter Roman, der von den Zerrissenheiten in vielerlei Hinsicht handelt, mit denen jüngere Menschen gerade in der heutigen Zeit zu kämpfen haben.

Marion Messina: Fehlstart.
Hanser, Januar 2020.
168 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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