Marie Tièche: Mein Jahr am Nordpol

meinDie Autorin Marie Tièche wuchs in Südengland auf. Nach einer gescheiterten Ehe lebt sie in Spitzbergen. Dort, in Longyerbyen übt sie gleich drei Berufe aus: In einem Einkaufszentrum arbeitet sie für einen kleinen Tante-Emma-Laden, einen weiteren Job hat sie in einem Outdoor-Laden, nachmittags näht sie in Randis Nähstube.
Zufällig lernt sie den deutschen Professor Hauke Trinks in einem Pub kennen. Er fragt Marie, ob sie ihn bei seiner Expedition nach Kinnvika, tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, begleiten möchte.
Marie sagt spontan zu. Sie will das Wagnis eingehen, ein ganzes Jahr in vollkommener Isolation zusammen mit einem Mann, den sie seit einer Stunde kennt, zu verbringen.
Ausgestattet mit entsprechender Kleidung, einem reichlich berechneten Vorrat an Lebensmitteln, Haukes Expeditioinsmaterial, Funkgerät und persönlichen Dingen zum Zeitvertreib wie CD-Spieler, Bücher, Stoffe zum Nähen, Wolle, etc. gehen die beiden an Bord der Nordsysel, die sie nach Kinnvika bringt. Zwei Hunde zum Schutz vor Eisbären bewachen sie in der zwanzig Quadratmeter kleinen Hütte.
Es gehört viel Mut dazu, sich bei Minus 40 Grad einem ständigen Überlebenskampf zu stellen und sich auf ein solch emotionales Risiko einzulassen.
Das Wagnis wird reich belohnt. Für Marie Tièche und ihren Begleiter Hauke Trinks wird das Expeditionsjahr zu einem unvergesslichen Abenteuer.
Immer wieder müssen Marie und Hauke neugierige oder aggressive Bären von der Umgebung der Hütte vertreiben. Natürlich gibt es auch ungefährlichere Begegnungen mit Rentieren und Robben.
Entsagung, Einsamkeit, Ruhe, eine lange permanente Dunkelheit, die stille Erhabenheit vom unendlichen Eis das im Sonnenlicht in unzähligen Kristallen glitzert… – Die Schönheit und Einmaligkeit dieser großartigen Natur und die Nähe zum jeweils anderen schweißen Marie und Hauke zusammen. Die Gestaltung des Zusammenlebens, mit Bären umzugehen, über Gefühle zu reden… – Marie findet in Kinnvika zu sich selbst, zu der Klarheit die sie gesucht hat, zu einer Glücksform, deren Bedeutung sie zuvor nicht gekannt hat.

Ein leises Buch mit wunderbaren Naturbeschreibungen vom ewigen Eis.

Marie Tièche: Mein Jahr am Nordpol.
Piper, Dezember 2013.
240 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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