Maria Rossbauer: Großstadtbäuerin. Mein Vater, sein Land und ich

Maria Rossbauer lebt mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern in Hamburg, als sie der Anruf ihres Vaters erreicht. Er ist Bauer in Niederbayern, 81 Jahre alt und möchte den Hof nicht mehr allein bewirtschaften. Er will ihn übergeben, sich nicht mehr um alles kümmern müssen. Tiere werden wegen des Arbeitsaufwandes und der Rentabilität ohnehin keine mehr gehalten. Maria soll den größten Anteil an Wiesen, Feldern und Wald erben, weil die anderen drei Geschwister zum Teil Geld von den Eltern erhalten und eigene Existenzen gegründet haben. In ihrem Kopf beginnt ein Gedankenkarussell zu rattern. Kann man das Vertrauen des Vaters enttäuschen? Darf man so ein Erbe, so einen Auftrag in den Wind schlagen?

Ihre Eltern haben ihr ganzes Herzblut und ihr gesamtes Leben in den Erhalt des Hofes investiert. Immer hat es sie bekümmert, dass ihre Kinder in der Enge und im Lärm der Stadt aufwachsen müssen. Ganz anders, als sie Kindheit erleben durfte. Sie beschließt, sie will sich der Aufgabe stellen. Bei wiederholten mehrwöchigen Aufenthalten in Niederbayern staunt sie nicht schlecht, was man als Bauer alles können und wissen muss. Welche Feldfrüchte soll man wo anpflanzen? Wie berechnet man die richtige Dosis Dünger? Wie gelingt es, umweltschonend zu wirtschaften? Welche Geräte braucht man wofür? Wann sät und wann erntet man überhaupt? Wie bedient man eine Motorsäge? Welche Bäume schneidet man aus dem Wald und welche lässt man als „Zukunftsbäume“ stehen? Welche Formulare muss man bis wann warum ausfüllen und abgeben, um Förderungen zu bekommen? Zusammen mit ihren Geschwistern gründet Maria Rossbauer eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts zur Bewirtschaftung des familieneigenen Besitzes. Das erfordert einiges an Kommunikation untereinander, weil Entscheidungen getroffen werden müssen. „Nebenbei“ arbeitet sie weiterhin als Journalistin in Hamburg. Sie mag die Stadt. Soll die gesamte Familie nach Bayern ziehen?

Dieses Buch vermittelt keine „Heidi-Idylle“. Es zeigt vielmehr, was in der Landwirtschaft momentan ganz real los ist. Mit welchen Problemen und Entscheidungen Bauern sich konfrontiert sehen, abseits von allem Landkitsch. Vollerwerb muss sich rechnen, Nebenerwerb muss bewältigbar sein. Bauern jonglieren mit ihrer Existenz zwischen Wetterextremen, strengen Umweltauflagen, hohen Anforderungen seitens der Gesellschaft und Selbstausbeutung.

Letztendlich findet Maria doch noch eine für sie zufriedenstellende Lösung, mit der auch der Rest der Familie gut klarkommt.

Fazit: Ein informatives Buch, das Landwirtschaft „von innen“ beleuchtet, aus der Perspektive derer, die unmittelbar damit zu tun haben. Es skizziert die Situation jener Menschen, die Weichen für sich und die Zukunft jahrhundertealter Höfe stellen müssen.

Maria Rossbauer: Großstadtbäuerin. Mein Vater, sein Land und ich.
rororo, Mai 2022.
208 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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