Margit Schreiner: Mütter. Väter. Männer. Klassenkämpfe

Margit Schreiner schreibt Autofiktion. Deswegen heißt die Protagonistin in ihrem Buch ebenfalls Margit und lebt in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Linz an der Donau. In „Vater. Mutter. Kind. Kriegserklärung“ hat die Autorin ihre Kindheit geschildert, mit diesem neuen Buch nimmt sie die Leser mit in ihre Jugend Anfang der 1970-er Jahre.

Margit ist aufgeweckt, neugierig und macht es ihren Eltern nicht gerade leicht. Das Gymnasium steht sie mit mittelprächtigen Zensuren durch, privat lungert sie mit langhaarigen, linksorientierten Halbstarken herum, wie ihre Eltern ihre Freizeitgestaltung bezeichnen. Die Protagonistin bewegt sich zwischen Brav sein und den Verlockungen des wilden Lebens.  Gemeinsam mit ihrer Freundin Gabi passiert ihr allerlei Peinliches, Lustiges und Kurioses. Margit Schreiner schildert Urlaubsreisen nach Caorle, glückliche und weniger glückliche erotische Begegnungen und alle nur erdenklichen Nöte des Erwachsenwerdens. „Selbstbestimmung“, „Befreiung von Zwängen“, „Emanzipation“ liegen in der Luft.

Margit ist mittendrin und überzeugt dabei. Manche der Aktionen, an denen sie und Gabi beteiligt sind, gehen nur mit viel Glück gut. Menschen, die ihren Weg kreuzen, entpuppen sich als Kleinkriminelle oder sind schwer drogenabhängig. Mit viel Fleiß schaffen aber schließlich beide Mädchen das Abitur und tappen nicht mehr gar so blauäugig durch das Nachtleben.

Ohne Kapiteleinteilungen und eigentlichen Höhepunkt reiht die Autorin Episode an Episode, Begebenheit an Begebenheit. Margit Schreiner beherrscht die große Kunst unterhaltsamen Erzählens. Auch jede noch so große Katastrophe, die ihrer Hauptfigur widerfährt, bricht sie mit feinem Witz. Das Buch endet zwar etwas abrupt mit Margits Studienbeginn in Salzburg, das lässt aber eine Fortsetzung der Geschichte vermuten. Man darf gespannt sein und sich schon ein bisschen vorfreuen.

Margit Schreiner: Mütter. Väter. Männer. Klassekämpfe.
Schöffling & Co., März 2022.
216 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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