Marc Hofmann: Der Mathelehrer und der Tod

Ein eigenbrötlerischer Deutschlehrer als Hobbydetektiv auf der Spur des Mörders eines Mathelehrers – das ist kurzgefasst die Handlung dieses Kriminalromans.

Marc Hofmann legt seinen Protagonisten eindeutig als Serienheld an, was sogar auf dem Cover so angegeben ist. Der Nachteil dieses deutlichen Hinweises ist, dass es der Spannung abträglich ist, dazu später mehr. Gregor Horvath, Alter unbekannt, feinsinniger und nach eigenem Bekunden im falschen Jahrhundert geborener Gourmet, findet eines Morgens die Leiche eines Kollegen. Als ermittelnder Kriminalbeamter taucht, welche ein Zufall, Horvaths Zwillingsbruder auf. Doch ein weiterer Doppelmord in der Innenstadt Freiburgs unterbricht die Arbeit der Polizei in der Schule, der Tod des Lehrers wird als Suizid zu den Akten gelegt.

Horvath will sich damit nicht abfinden und mobilisiert eine Gruppe von ihm besonders geschätzter Schüler. Antrieb für seine Nachforschungen gibt ihm ein bislang unbekannter Geheimbund aus Lehrern, Eltern und ehemaligen Schülern, dem der Tote angehörte und in welchen nun er als Mitglied aufgenommen werden soll. Mit Hilfe seiner Schüler und unterstützt durch eine Mitarbeiterin seines Bruders kommt Horvath dem Täter auf die Spur, gerät dabei aber selbst in Lebensgefahr. Das ist die Stelle, wo die Spannung leidet, da man als Leserin ja weiß, dass er überleben wird, sonst könnte es schließlich keine Folgebände geben.

Wie bei den meisten Krimis liest man flott bis zum Ende, ist man doch an der Lösung interessiert. Vor allem die vielen Verdächtigen, vom Autor geschickt mit Motiv und Gelegenheit ausgestattet, machen die Handlung ausreichend spannend.

Doch der Protagonist bleibt fremd, überzeichnet, etwas überfrachtet mit sonderlichen Eigenarten, zu platt als Sonderling aufgebaut. Er zeigt fast autistische Züge, kann Gefühle weder selbst empfinden noch bei anderen nachempfinden. Und er ist in ständiger Konkurrenz zu seinem völlig anders gearteten Zwillingsbruder.

Hier wäre weniger mehr gewesen, diese Eigenheiten des Charakters hätte man subtiler anlegen können. Das Idol von Horvath ist der Agatha-Christie-Detektiv Hercule Poirot, und man erkennt überdeutlich, dass auch Marc Hofmann sich bei der Entwicklung seines Protagonisten an dieser Figur orientiert hat. Das macht diesen nicht sympathischer.

Hingegen die Beschreibung der Schüler und deren Agieren zeigt, dass sich der Autor, selbst Lehrer, mit diesem Umfeld sehr gut auskennt. Die Begegnung mit den verschiedenen Typen, Rebell, Streber, Störer und anderen, weckt Erinnerungen, ruft Bilder aus der eigenen Schulzeit auf. Das ist in jedem Fall vergnüglich zu lesen.

Alles in allem ein klassischer Whodunit mit gekonnt angelegten falschen Fährten und überraschender Auflösung, stilistisch nicht ganz überzeugend.

Marc Hofmann: Der Mathelehrer und der Tod.
Knaur, Januar 2021.
272 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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