Marc Elsberg: Gier

Marc Elsberg hat sich durch seine Romane in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Autoren entwickelt. Bereits mit seinen Thrillern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘ feierte er große Erfolge. Dabei erhielten ‚Blackout‘ (2012) und ‚Zero‘ (2014) von der Zeitschrift ‚Bild der Wissenschaft‘ jeweils die Auszeichnung als Wissensbuch des Jahres.

Die Handlungen von Elsbergs Büchern basieren auf wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen, aus deren Möglichkeiten und Risiken er spannende Plots aufbaut. So spielt er in ‚Blackout‘ mit den Folgen eines umfassenden Stromausfalls in Europa, in ‚Zero‘ behandelt er mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und beschäftigt sich in ‚Helix‘ mit dem Thema Genmanipulation.

Nun liegt mit ‚Gier‘ sein neueste Buch vor, in dem er sich diesmal nicht mit einer auf neuen technologischen Möglichkeiten basierenden Entwicklung befasst. Es geht um unsere Gesellschaft und deren Entwicklung vor dem Hintergrund von Globalisierung, Kapitalismus und der Tatsache, dass immer größere Vermögen in den Händen eines immer geringer werdenden Teils der Menschheit liegen. Wie geht die Menschheit mit Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Zukunftsängsten um?

Zur Handlung: Die Welt befindet sich nach der Finanzkrise erneut in einer Wirtschaftskrise. Nur, dass diese noch umfassender und bedrohlicher ist, da nicht nur Banken, sondern die gesamte Weltwirtschaft und ganze Staaten betroffen sind. Bankrotte und Massenarbeitslosigkeit drohen. Die Welt scheint im Chaos zu versinken.

Um zu retten, was zu retten ist, findet in Berlin ein Sondergipfel statt, an dem die führenden Personen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft teilnehmen. Begleitet wird der Kongress von den Protesten vieler tausend Menschen, die um ihre Zukunft fürchten.

Aber gibt es überhaupt Hoffnung auf eine Lösung? Es sieht so aus, denn der Nobelpreisträger Herbert Thompson ist zusammen mit seinem Assistenten in einer Limousine auf dem Weg zum Gipfel, wo er die Eröffnungsrede halten soll. Und es soll eine besondere Rede werden. Denn in seinem Aktenkoffer hat er nicht weniger als die Lösung der globalen Probleme bei sich, welche er nun der Welt vorstellen möchte.

Doch er kommt bei einem schweren Autounfall ums Leben. Der Krankenpfleger Jan Wutte, der auf dem Heimweg von einer Nachtschicht im Krankenhaus ist, kommt zufällig vorbei und eilt zur Hilfe. Als der im Sterben liegende Assistent ihm noch etwas sagen will, kommen Männer zur Unfallstelle. Sie nehmen den Aktenkoffer an sich, zünden das Autowrack an und versuchen Jan zu töten. Dem gelingt zwar die Flucht, doch stellt er schnell fest, dass er von nun an nicht nur von den Killern verfolgt wird, sondern dass auch die Polizei ihn als Tatverdächtigen verhaften will.

Alles, was Jan hat, sind die wenigen Worte des Assistenten, die ihn schließlich zu dem Spieler Fitzroy Peel führen. Gemeinsam versuchen die beiden nun herauszufinden, was für ein Geheimnis Thompson in seinem Aktenkoffer mit sich führte. Dabei müssen sie sich vor den Mördern in Acht nehmen, die ihnen dicht auf den Fersen sind.

Wie schon die anderen Büchern von Marc Elsberg ist auch ‚Gier‘ spannend und rasant geschrieben. Langeweile kommt nie auf, die kurz gehaltenen Kapitel erhöhen das Tempo der Handlung und verführten immer wieder dazu, noch ein paar Seiten mehr zu lesen.

Insofern ist ‚Gier‘ wieder ein sehr professionell und gut geschriebener Thriller: Mit dem Krankenpfleger Jan Wutte gerät ein ‚harmloser‘ Unbeteiligter in das Zentrum der Handlung, findet aufgrund weniger Hinweise Unterstützung und kämpft sich in wilden Verfolgungsjagden und Actionszenen durch Berlin.

Das ist spannend, aber leider auch nicht unbedingt originell und lässt das Buch  insbesondere gegenüber ‚Blackout‘ etwas zurückfallen. Ich hätte mir für ‚Gier‘ etwas weniger Action, dafür aber eine eingehendere Beschäftigung mit den Auswirkungen der zur Zeit der Handlung tobenden Weltwirtschaftskrise gewünscht.

Trotzdem habe ich ‚Gier‘ gerne gelesen. Schließlich hat das Buch alles, was einen guten Thriller auszeichnet. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass Marc Elsberg es noch besser gekonnt hätte. Ich bin auf sein nächstes Buch gespannt.

Mein Fazit: Gier ist ein spannender und gut geschriebener Thriller.

Marc Elsberg: Gier.
Blanvalet, Januar 2019.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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