Malin Persson Giolito: Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen

Stockholm: Die 18-jährige Maja steht vor Gericht. Sie soll bei einem Massaker in ihrer Schule geschossen haben und ihren Freund Sebastian sogar zu der Tat angestiftet haben. Seit Monaten schon sitzt Maja in Untersuchungshaft, nun beginnt der Prozess. Zeit sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Denn einst waren Maja und Sebastian ein glückliches Paar und Amanda, die unter den Toten ist, war Majas beste Freundin. Die Partys in Sebastians Haus waren legendär, doch schon damals war das Verhältnis zwischen Vater und Sohn schwierig. Auch Sebastians Vater ist tot. Viele Leichen pflastern den Weg des Pärchens und die Frage nach dem Warum wird immer drängender.

Malin Persson Giolitos Roman läuft zurzeit auch in einer sechsteiligen Serie auf Netflix. Der Roman selbst wurde als „Bester Kriminalroman Schwedens“ und „Bester Nordischer Kriminalroman“ ausgezeichnet. Entsprechend hoch sind dann natürlich die Erwartungen. Und sieht man mal von einem etwas langatmigen Mittelteil ab, ist „Quicksand“ wirklich gelungen. Die erste Szene, in die man als Leser oder Leserin stolpert, findet nur wenige Sekunden nach dem Attentat in der Schule statt. Maja beschreibt gefühllos und distanziert, welche der Leichen wo im Klassenzimmer liegt. Man ist sofort mittendrin statt nur dabei.

Im weiteren Verlauf kommt dann auch die Beziehung zwischen Maja und Sebastian zum Tragen. Einst waren sie ein glückliches Pärchen, dann entstand jedoch ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen und Maja fühlte sich nicht mehr wohl. „Niemand frage mich, ob ich Sebastian retten wollte, aber alle werfen mir vor, dass es mir nicht gelungen ist.“ (Zitat Kapitel 31) Im Roman zeigt Malin Persson Giolito gelungen auf, wie sich die beiden jungen Menschen verändert haben. Der Blickwinkel ist dabei konsequent der von Maja. Sie schreibt über die Haft, den Prozess, die vielen Wochen und Monate davor, in denen sie Sebastian kennen und lieben lernte. Dabei wird nicht von Anfang an deutlich, warum es zu den vielen Toten kam. Denn Sebastian ist ein normaler junger Mann. Er möchte die Anerkennung seines Vaters erlangen, mit dem Mädchen, das er liebt, zusammen sein, naja, auch ein paar Drogen nehmen und etwas, vielleicht etwas mehr Alkohol trinken. Was brachte ihn also dazu, mehrere seiner Mitschüler zu erschießen, den eigenen Vater und einen Lehrer? Und warum griff auch Maja schließlich zur Waffe?

All diese Fragen stellt die Autorin geschickt und beantwortet sie erst im letzten Viertel des Romans. Bis dahin ist „Quicksand“ spannende Lektüre, fernab von Klischees. Daumen nach oben für sehr gute Unterhaltung!

Malin Persson Giolito: Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen.
Bastei Lübbe, April 2019.
464 Seiten, Taschenbuch, 11,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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