Maike Nielsen: Und unter uns die Welt

Sylt, 1929: Christian Nielsen hat von Kindesbeinen an nur einen großen Traum: Er will in die Luft, am liebsten mit einem dieser neuen Zeppeline, die die Menschen begeistern und innerhalb weniger Tage den Atlantik überqueren. Doch sein Weg ist steinig und verschlägt den jungen Mann erstmal zur Schifffahrt. Weit weg, im entfernten Hawaii lebt Lil mit ihren Eltern. Auch sie beschließt, ihr Elternhaus zu verlassen und nach New York zu ihrer Tante zu ziehen. Denn auch in Lil keimt ein Traum. Sie ist fest davon überzeugt, dass Frauen genauso gute Reporter sein können wie Männer. Um an ihr Ziel zu kommen, wendet sie eine List an und gibt sich selbst einen Männernamen, unter dem sie ihre Artikel veröffentlichen kann. Dann lernt sie auf New Yorks Straßen einen Mann kennen, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Sie hat den Matrosen nur ganz kurz gesehen und noch Jahre danach soll sie an diesen schicksalshaften Augenblick denken.

Maike Nielsens Roman in knappen Worten zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Die Handlung von „Unter uns die Welt“ erstreckt sich über sehr viele Jahre und kommt auch anfangs nicht Recht ins Rollen. Das liegt vor allem daran, dass drei Handlungsstränge parallel verlaufen und nur sehr locker verbunden sind. Zum einen ist da Christians Leben auf Sylt und den Meeren der Welt, dann Lils Weg von Hawaii nach New York bis hinüber nach Rio de Janeiro. Der dritte Erzählstrang befasst sich mit den Luftschiffen und ihren Erfolgen in den Jahren ab etwa 1929.

Der Roman ist gut zu lesen, der Schreibstil flüssig und gelungen. Und doch haut die Geschichte irgendwie nicht vom Hocker. Es fehlt an Gefühl und lebendigen Figuren, der Ansatz ist aber gut! Maike Nielsen schreibt über das Schicksal ihres eigenen Großvaters, welches sie aufwendig recherchiert hat. Christian Nielsen war einer der wenigen, die 1937 das Unglück des Zeppelins Hindenburg überlebt haben. Diese Information wird im Buch schon vorweggenommen, bevor die Geschichte überhaupt begonnen hat. Wirklich passiert die Szene dann allerdings erst auf den letzten der knapp 450 Seiten. So weiß man als Leser zumindest, wo die Reise hingeht.

Obwohl die Figuren durchaus interessant gezeichnet sind, konnten sie mich nicht recht erreichen. Sie gewinnen nicht an Tiefe, man kann nicht wirklich in sie hineinschauen, da der Fortgang der Handlung im Mittelpunkt zu stehen scheint, denn es wurde schließlich das Unglück des Zeppelins versprochen und bis dahin muss noch Einiges passieren. Klar ist eine Geschichte, die mit real existierenden Personen aufgebaut wird, irgendwie vorgezeichnet, aber etwas mehr Tiefgang in den Figuren hätte ich dennoch erwartet.

„Und unter uns die Welt“ ist dennoch nicht schlecht. Man kann den Roman lesen, da die Autorin vor allem eine talentierte Schreiberin ist. Ich freue mich trotz allem auf neue Werke von Maike Nielsen, die sicher folgen werden. Hier hat sie zumindest bewiesen, dass sie das Handwerskzeug hat. Deshalb kann man „Unter uns die Welt“ auf jeden Fall lesen, wenn man sich für historische Romane abseits der Mittelalterschwemme interessiert und auf neue Themen im Genre steht.

Maike Nielsen: Und unter uns die Welt.
Wunderlich, September 2016.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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