M.K. England: Die Verstoßenen: Aufbruch der Swift Kick

Wenn man, wie Nex Hall am A…. der Welt wohnt, sprich irgendwo im Nirgendwo Ziegen hüten darf, dann hat man Träume. Träume etwa, dass man eines Tages Pilot eines Raumschiffes wird, dass man bei der Akademie angenommen und das Weltall sehen wird. Auf diese Träume arbeitet man, so man Nex heißt, im häuslichen Keller am Flugsimulator hin. Und man bewirbt sich auf der Akademie, der Ellis Station auf dem Mond.

Dass Nax wirklich gut ist, zeigt sich beim Auswahlverfahren. Als Einziger der angehenden Piloten erreicht er die volle Punktzahl – dass er sich selbst oft, viel zu oft im Weg steht führt dazu, dass er mit drei Kommilitonen, die ebenfalls die Aufnahme auf die Akademie versiebt haben, auf das Shuttle wartet, das sie wieder zur Erde zurückbefördern wird.

Dass die Station just in diesem Moment überfallen wird bekommt außer den vier Durchfallern keiner mit. Um zu überleben kapern sie kurzerhand das Shuttle und wagen den Sprung in eine der menschlichen Kolonien – nur um vom Regen in die Traufe zu kommen. Die Verräter nutzen unsere vier flüchtigen Ex-Kadetten als Sündenböcke, könnte ihr Flugschreiber und sie selbst doch den sorgfältig ausgetüftelten Plan der Earth First Bewegung zu Fall bringen – so werden sie schnell zu Gejagten – doch, oh Wunder, die Vier, die für die Akademie zu schlecht waren, haben so Einiges auf dem Kasten und wissen sich ihrer Haut zu wehren.

Was ist dies für ein recht kurzer, unterhaltsamer Roman, den Knaur uns da vorstellt? Auffallend zunächst, dass die Kolonie, zu denen unsere Helden flüchten hauptsächlich von Moslems besiedelt wurde – sprich Minarette, der Muezzin und die Burka sind hier selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch, dass Beziehungen nicht nur zum anderen Geschlecht, sondern auch gleichgeschlechtlich gelebt werden, dass Diversität an der Tagesordnung ist.

Maria Weber, Lektorin für Fantasy & Science Fiction bei Knaur hat kürzlich in einem Statement zu Protokoll gegeben: „Knaur […] hat es sich sogar auf die Fahnen geschrieben, moderne und feministische Fantasy und Science Fiction an die Leser*innen zu bringen. Mit unseren Titeln möchten wir besagte Geschlechterrollen und Genreverteilungen aufbrechen.“

Und vorliegender Titel passt haargenau in diese Vorgaben. Dabei unterhält der Plot spannend und mit jede Menge Wendungen, wobei es ein klein bisschen weniger Überraschungen und last minute Rettungen hätten sein dürfen. Die Grundanlage der Handlung ist dabei wahrlich nicht eben neu – Loser nehmen das Heft des Handelns in die Hand und zeigen, was in ihnen steckt.

Wie schon angedeutet, wartet ein spannendes Weltraumabenteuer – wobei Abenteuer groß geschrieben wird – auf den Leser (m/w/d). Die Logik bleibt so manches Mal auf der Strecke, dafür ist der Unterhaltungswert durchaus markant.

M.K. England: Die Verstoßenen: Aufbruch der Swift Kick.
Aus dem Englischen übersetzt von Oliver Plaschka.
Knaur, Juli 2021.
320 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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