Lutz Kreutzer: Die Akte Hürtgenwald

Eigentlich soll Kommissar Straubinger, strafversetzt von Köln nach Stolberg bei Aachen, das Archiv im Keller der Polizeistation aufräumen. Doch dabei findet er eine alte Akte, die von einem Todesfall im Jahr 1956 berichtet, ein gut situierter Bürger der Stadt ist im Wald unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben gekommen.

Straubinger „riecht“ Ungereimtheiten bei diesem alten Fall und, mit Erlaubnis seines neuen Vorgesetzten, beginnt er unter den Einheimischen zu ermitteln. Dabei begegnet er mitteilsamen und zugeknöpften Mitmenschen, von denen der eine oder die andere durchaus etwas zu verbergen hat. Besonderes Interesse entwickelt Straubinger für den sogenannten Wolkenmaler, ein Eigenbrötler, der allein im Wald in einer selbstgebauten Hütte haust. Als ein Mord geschieht, der offensichtlich einen Bezug zu den Ereignissen der Vergangenheit hat, übernimmt Straubinger ganz offiziell die Ermittlungen auch in dem aktuellen Fall.

Der Plot könnte wirklich spannend sein, bietet doch auch die Region, in der die Handlung angesiedelt ist, eine wahrlich geschichtsträchtige Kulisse. In der Gegend um Hürtgenwald fand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine grausame Schlacht zwischen Deutschen und Amerikanern statt, die unzählige Todesopfer forderte. Zurück blieben von diesen Kämpfen unentdeckte Minen und Munition, die bis heute für Spaziergänger und Waldarbeiter lebensgefährlich werden können.

Darum herum einen Kriminalroman aufzubauen, ist sicher keine schlechte Idee. Gerade aber dann sollte man beim Schreiben unbedingt den sogenannten „Infodump“ vermeiden, was dem Autor des vorliegenden Buches leider misslingt. Viel zu ausführlich überfrachtet er seinen Roman mit Informationen, historischen oder geografischen Details, die zum Fortgang der Handlung nichts beitragen, die Leserin aber komplett aus der Geschichte herausreißen und jede Spannung vernichten. Überhaupt verzettelt sich der Autor in zu vielen Nebensächlichkeiten, verlieren sich die ausschweifenden und abschweifenden Dialoge in Überflüssigem, wie Kochrezepten oder Bildbetrachtungen. Es tauchen zu viele Personen auf, die keine oder nur eine geringe Rolle spielen, die aber mit Namen und Hintergrund versehen werden und die Leserin unnötig verwirren und ablenken. Hinzu kommen ein etwas schwerfälliger Stil und einige sprachliche Schnitzer.

Da zusätzlich auch der Protagonist Straubinger flach und eher unsympathisch ist, konnte mich dieser Kriminalroman leider weder fesseln noch überzeugen.

Lutz Kreutzer: Die Akte Hürtgenwald.
Gmeiner, Februar 2021.
346 Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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