Loriot: Spätlese

lorAm 12. November wäre Loriot 90 Jahre alt geworden. Der Diogenes Verlag gratuliert dem am 20. August 2011 verstorbenen Humoristen mit einem großartigen Bildband. Mit der „Spätlese“, die mehr als 400 bislang unveröffentlichte Zeichnungen von Loriot edel und großzügig präsentiert.
Buchverlage und Zeitschriften kamen mit dem Drucken in den 1950er- und frühen 60er-Jahren gar nicht nach – so aktiv war Vicco von Bülow mit dem Zeichenstift. Die „Frühstücke“, die in dieser Zeit entstanden sind, nehmen den Großteil des gut zwei Kilo schweren, 384 Seiten dicken, prächtigen Buchs im etwas größeren Din A4-Format ein. Herausgegeben haben den Band Loriots Tochter Susanne von Bülow, Peter Geyer und Oa Krimmel.
Knollennasen und skurrile Alltagssituationen sieht man da schon; mit kleinen Text-Anekdoten gespickt sind die Zeichner-Geschichten und ein satirisches Gesellschaftspanorama der Wirtschaftswunderzeit aus dem Büro und Eheleben, von Weihnachten, Ostern und Urlaubsreisen. Selbst zum „Mann im Mond“ hat Loriot seine liebenswerten Knollennasen geschickt.
Hunde wuseln schon durch viele der frühen Zeichnungen, später verlegte sich der Vater von Fernsehhund Wum auf Möpse. Ihnen ist ein eigenes Kapitel gewidmet. 31 Zeichnungen bekräftigen Loriots Credo „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Sogar der Mona Lisa gibt der Satiriker einen Mops auf den Arm und ersetzt auch die Gesichter der Raffael-Engel durch Mops-Schnauzen.
Die „Nachtschattengewächse“ sind vom Kubismus und anderen modernen Kunstrichtungen inspirierte Zeichnungen, die man so von Loriot auch noch nicht gesehen hat. Diese farbigen Karikaturen sind in schlaflosen Nächten entstanden und Hommagen an Dali und Mondrian.
Schließlich gibt es noch „Privates und Halbprivates“, Zeichnungen für Freunde wie Sänger Dietrich Fischer-Dieskau, Dichter Robert Gernhardt und Kritiker Joachim Kaiser. Und unter den „Großen Deutschen“ finden sich Berühmtheiten wie Cosima Wagner, Thomas Mann, Nitzsche, Schopenhauer und Goethe. – Mit Knollennase.
Die Zeichnungen sind ein Schatz, und das Buch ist für Loriot-Fans ein Geschenk. Und es macht so viel Spaß, es durchzublättern.

Loriot: Spätlese.
Diogenes, September 2013.
368 Seiten, Gebundene Ausgabe, 39,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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