Lone Theils: Falsche Gesichter

Die dänische Journalistin Nora Sand wird nach Nordengland in die Stadt Toppingham geschickt, um über die ungewöhnliche Ermordung des Kriminalkommissars Crow zu berichten. Der Leiter der Sittenabteilung wurde entführt und dessen Tötung in einem Video veröffentlicht. Während viele einen Bezug zum IS sehen wollen und Crow öffentlich in den höchsten Tönen loben, sieht Nora zunächst einige Unstimmigkeiten. Wie kann sich ein Beamter einen so teuren Wagen leisten? Und warum kommen kritische Äußerungen so verhalten? Wie ein eigenwilliger Spürhund folgt Nora ihrem Instinkt.

Kurz darauf muss sie beobachten, wie unsensibel die örtliche Polizei mit den Nöten junger Mädchen umgeht. Eine von ihnen ist Laura, die volltrunken jemandem in einem Imbiss vorwirft, an Mels Tod schuld zu sein. Als Nora in Lauras Umfeld recherchiert, geschieht ein zweiter Mord. Dieser stellt nicht nur die bisherige Richtung der polizeilichen Ermittlung in Frage sondern bestätigt auch Noras Zweifel. Je mehr Bewohner sie befragt, um so deutlicher spürt sie, dass hinter der Fassade der Normalität nichts mehr normal sein kann.

Lone Theils hat inzwischen vier Kriminalromane über die Arbeit der Journalistin Nora Sand geschrieben. Sie selbst war London-Korrespondentin für eine dänische Zeitung. Und weil sie genau weiß, wie journalistische Arbeit funktioniert, wirkt Nora authentisch, kompetent und fast schon zu gut für die grelle, unsoziale Medienwelt. Denn die sportliche Frau fällt durch ihr uneigennütziges Engagement auf. Wie im normalen Leben bringt ihr Privatleben eine Eigendynamik in Noras Ermittlungsarbeit. Denn ihre unglückliche Liebe zu ihrem Exfreund Andreas lässt sie nicht los. Sein offensichtliches Leid mit seiner extrem eifersüchtigen Partnerin und Mutter der gemeinsamen Tochter lässt sie nicht unberührt.

Die Krimileserin darf sich auf ein unverbrauchtes Thema mit bewährten Zutaten freuen, ohne die vorherigen Bücher kennen zu müssen. Die Autorin braucht für ihren unterhaltsamen Kriminalroman keine übermäßige Brutalität. Der sanfte Ein- und Ausstieg rahmt eine unverbrauchte Geschichte, die leider nur am Rand in den Medien aufgetaucht ist. Aus diesem Grund hat sich die Autorin möglicherweise von realen Ereignissen inspirieren lassen, um Teile der Handlung dem kriminellen Alltag zu entnehmen. Lone Theils schreibt originell und plausibel über die Schattenseiten der Korruption und öffnet eine Tür, die die brutalen Folgen in einer Gesellschaft fokussiert. Hinschauen und entsprechend handeln ist – nicht nur – in ihrem Kriminalroman lebenswichtig geworden.

Lone Theils: Falsche Gesichter.
rororo, Februar 2021.
480 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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