Lisa Moore: Fremde Hochzeit: Erzählungen

Die Kanadierin Lisa Moore (Jahrgang 1964) ist Schriftstellerin. Ihre Bücher werden hierzulande im Münchner Carl Hanser Verlag veröffentlicht. So auch „Fremde Hochzeit“, ein Buch mit elf Erzählungen, das am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Kathrin Razum erschienen ist. Darin finden sich Eleanor und Philip in der Titelgeschichte „Fremde Hochzeit“ auf einer Party anlässlich der Hochzeit von Constance mit Ted wieder. Bei viel Alkohol und dem Erzählen bedeutender Lebensmomente überlegt die Drehbuchschreiberin Eleanor mit einem der Gäste zu schlafen, während ihr Ehemann Philip mit Amelia Kerby aus British Columbia flirtet. Oder die Geschichte von Donna und Cy, in der er sie während der Schwangerschaft mit Marie betrügt.

In „Liebende, mit der Intensität, die ich meine“ trifft Jim Marissa während eines Schneesturms in einem Supermarkt wieder. Die beiden waren einst ein Paar. Jim ist mit Jillian verheiratet und Marissa hat gerade Angus, ihren Lebenspartner, verloren.

Während ihrer Schulzeit wird Melody von ihrer Freundin zu einer Abtreibung begleitet. Jahre später taucht sie unerwartet wieder bei ihr auf.

In der letzten Erzählung des Buches „Leibliche Eltern“ fahren Lyle und Anna mit ihrem Baby Pete zu einer Dinnerparty. Anna verlässt die Party, weil Pete wach wird und weint. Später wird sie mit dem Kind in einen bewaffneten Überfall auf einen Minimarkt verwickelt. Pete ist nicht Lyles Sohn, und Anna schweigt über den Überfall.

Die elf Erzählungen von Lisa Moore konnten mich als Lesende nicht überzeugen. Zu seltsame Protagonisten in zu sonderbaren Handlungen. Lisa Moore erzählt im Präsenz. Ihre Dialoge haben keine Anführungszeichen. Ihre Sätze sind kurz. Sie reiht Aufzählungen aneinander.

Moores Figuren erscheinen mir rätselhaft, jedoch nicht auf eine spannende, interessante oder zumindest skurrile Art, wie z.B. die betrunkene Eleanor in der Titelgeschichte „Fremde Hochzeit“: „Der Boden der Toilette sackt in der starken Dünung unter ihr weg, Eleanor wird gegen eine Wand geschleudert und zieht sich dann, mit beiden Händen übergreifend, am schwankenden Heizkörper zur Klokabine hoch. Sie muss nur dranbleiben, dann wird sie ihr reinstes Selbst erreichen. Möglicherweise muss sie erst kotzen, um dorthin zu gelangen. Etwas Reines, wie eine Brise in den Wipfeln der Kiefer im Himalaya …“ (S. 67)

Lisa Moore schreibt von Paaren oder Einzelpersonen, deren Leben gerade in Unordnung gerät oder schon geraten ist. Meist geht es um Erfahrungen mit dem Verliebtsein, der Liebe und/oder dem Sex. Die Figuren haben Affären, leiden in ihren Beziehungen unter Betrug, Verlust, Trennung.

Der Funke springt jedoch beim Lesen nicht auf mich über, auch wenn Lisa Moore eine bildhafte Sprache spricht: „Der Blitz stapft auf dürren Beinen zu uns her; erst bohrt sich der eine knotige Röntgenknochen in den Matsch, dann der andere. Wieder und wieder. Lyle, Isobel und Lucien rennen unter den nassen Laken hin und her, wie Motten, die unter Glas gefangen sind und mit den Flügeln gegen die Wände schlagen.“ (S. 262)

Lisa Moores Erzählungen in „Fremde Hochzeit“ bleiben mir fremd. Schade!

Lisa Moore: Fremde Hochzeit: Erzählungen.
Hanser Verlag, September 2020.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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