Lisa Genova: Im Traum höre ich dich spielen

Karina und Richard sind seit einigen Jahren geschieden und haben nicht mehr viel miteinander zu tun. Die gemeinsame Tochter ist auch erwachsen, geht eigene Wege und studiert weiter weg. Als Karina hört, dass Richard, ein gefeierter Star-Pianist, an ALS erkrankt sei, weiß sie nicht, was sie tun soll. Doch als sie ihn so sieht, ist die Entscheidung klar: Richard muss nach Hause kommen, in das ehemals gemeinsame Heim. Karina setzt alles daran, Richard zu pflegen und ihm die beste Betreuung zukommen zu lassen. Aber ALS ist grausam und unaufhaltsam. Bald muss Richard sich wichtigen Fragen stellen. Wie weit möchte er beim Leben unterstützt werden und wann ist es einfach mal genug?

Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist eine nicht heilbare Krankheit des Nervensystems. Sie führt unter anderem zu Lähmungen und lässt die Patienten immer mehr die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Auch atmen können sie irgendwann nicht mehr und müssen dauerhaft an ein Beatmungsgerät angeschlossen sein. Im Kopf allerdings bleiben sie völlig normal und bekommen alles mit. Richard merkt, dass es ihm zunehmend schlechter geht, er verschließt sich aber auch oft vor der Wahrheit. Die Geschichte wird sowohl aus seiner Perspektive als auch aus Karinas Perspektive beschrieben.

Lisa Genova kennt man von ihrem großartigen Erfolg „Still Alice“ über Alzheimer. Der Roman wurde sogar verfilmt. Dass jemand „Im Traum höre ich dich spielen“ verfilmen möchte, kann ich mir allerdings kaum vorstellen. Der Roman ist bei weitem nicht so stark wie „Still Alice“, er bleibt trotz der Thematik irgendwie an der Oberfläche und mit keiner der beiden Figuren konnte ich mich wirklich identifizieren. Es gibt definitiv bessere Bücher über kranke Angehörige, ja sogar über die Krankheit ALS.

In einem Punkt ist „Im Traum höre ich dich spielen“ aber wirklich gut: in der Aufarbeitung der Beziehung zwischen Karina und Richard. Zu Beginn des Romans und dem Ausbruch der Krankheit ist die Beziehung bereits in die Brüche gegangen. Beide Hauptfiguren setzen sich mit diesem Scheitern der Beziehung intensiv auseinander und gerade hier hat der Roman seine Glanzmomente.

Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt.

Lisa Genova: Im Traum höre ich dich spielen.
Bastei Lübbe, November 2018.
304 Seiten, Taschenbuch, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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