Lilja Sigurðardóttir: Das Netz

Island in Zeiten der Finanzkrise. Dieses Land war sich zu lange sicher in allem, was man so als Bild in der Welt abgab. Thermische Verhältnisse machten die Insel zwischen Amerika und Europa energietechnisch unabhängig und die wilde unberührte Natur lockte jede Menge Touristen an. Hätte alles  gut so weiter gehen können, doch auch in Reykjavik war auf einmal die Gier angesagt. Die Banken verspekulierten sich in dieser unsäglichen Derivaten-  und Spekulationsblase, so dass das Land pleite war.  Nach und nach geht es an die Aufarbeitung und die Suche nach der Schuld.

Arga, eine der Protagonistinnen in diesem  Roman, war eine große Nummer im Bankengewese und hat kräftig mitgemischt und sitzt nun während des ganzen Buches immer in irgendwelchen Verhören. Damit kommt sie klar, sie war und ist in diesen Dingen eiskalt. Womit sie nicht klar kommt, ist die Beziehung zu Sonja, mit der sie im Bett von Sonjas Ehemann Adam und Sohn Tomas erwischt wird. Sonjas Ehe scheitert daraufhin und Sonja hält sich nun mit Drogenkuriergeschäften über Wasser, bzw. sie will das solange machen, bis sie wieder Boden den Füssen hat und ihren Sohn Tomas „zurückholen“ kann.

Nun ist Kokainschmuggel zwischen dem Festland und der Insel auch nicht so einfach und sie gerät in den Focus eines achtsamen Zollbeamten kurz vor der Rente. Es soll sein letzte große Entdeckung werden.  Es geht hier um Millionen und natürlich sind auch die gleichen Verbrecher darin verstrickt, die auch schon kräftig beim Bankencrash ihre Finger drin hatten. Das alles ist zügig erzählt. Mir fehlt allerdings der Zugang zu den Protagonisten, irgendwie lässt einen die ganze Nummer kalt. Vielleicht Bragi, der unermüdliche Zollbeamte erregt noch Anteilnahme, lebt doch seine geliebte Frau, an Alzheimer erkrankt, im Heim. „Das Netz“ ist etwas zu laut angekündigt, und ist bei weitem nicht so spannend wie auf dem Buchcover („Thriller des Jahres“) angepriesen. Das merkt man daran, dass man sich nicht unbedingt freut, weiterzulesen, sondern durchaus zwischendurch in anderen Büchern stöbert. Ich habe es schließlich zu Ende gelesen und sage, da muss mehr kommen.

Lilja Sigurðardóttir: Das Netz.
DuMont Buchverlag, Juni 2020.
360 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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