Leonie Swann: Gray

Gray ist ein vorlauter Vogel: ein Graupapagei, der den Schnabel nicht halten kann, aber mit seinem neuen Besitzer, Dr. Augustus Huff, nicht nur Erdnüsse, sondern eine ganz harte Nuss knackt. Sieben Jahre nach ihrem zweiten Schafkrimi „Garou“ und zwölf Jahre nach dem Bestseller-Erstling mit den blökenden Ermittlern, „Glennkill“, greift die Münchner Autorin Leonie Swann das Motiv eines tierisches Ermittlers wieder auf. Und „Gray“ hat das Zeug, ein Kommissar für eine lange Serie zu werden.

Beim Studenten Elliot hatte der Vogel ein beschauliches Leben und – wie sich später herausstellt – an einigen Tagen auch einen Tiersitter. Nicht nur bei dem hat er allerlei Wörter und Sprüche aufgeschnappt, die später für Augustus Huff hilfreich sind.

Elliot ist beim Fassadenklettern an einer Kirche abgestürzt. Der Anthropologe Huff, Dozent des Toten an der Universität Cambridge, glaubt nicht an einen Unfall und beginnt zu ermitteln. – Gray immer auf der Schulter.

Der Vogel bringt ihn mit komischen Fragen und kessen Sprüchen immer wieder in Schwierigkeiten, am Schluss aber auf die richtige Spur. Denn es war wirklich kein Unfall, der den geübten Kletterer Elliot das Leben gekostet hat.

Graupapageien sind bessere Ermittler als Schafe, und so erscheint Leonie Swanns Krimi mit dem gefiederten Kommissar noch glaubwürdiger als ihre Schafkrimis. Und über das Wesen und den Charakter der Papageien erfahren die Leser genauso viel wie über das eigentlich beschauliche Leben in Cambridge und an der Universität des englischen Städtchens.

Entsprechend unaufgeregt und immer humorvoll erzählt die 42-jährige Münchnerin die Geschichte am Anfang, später – beim Showdown auf dem Kirchturmdach – ist dieser Krimi spannender. Und sowohl Augustus Huff als auch Papagei Gray geraten in Lebensgefahr.

Leonie Swann: Gray.
Goldmann, Mai 2017.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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