Laurie Lee: Cider mit Rosie (1959)

Der Roman „Cider mit Rosie“ von Laurie Lee stammt ursprünglich aus dem Jahr 1959. Im Jahr 2020 wurde der Text in der Übersetzung von Pociao und Walter Hartmann neu vom Unionsverlag herausgegeben. Das Taschenbuch enthält 13 Aquarelle von Laura Stoddart, die wundervoll die romantische Ausrichtung des Buches unterstreichen.

„Ich war drei Jahre alt, als man mich vom Wagen des Fuhrmanns herunterhob auf den Boden, und mein Leben auf dem Dorf begann mit Schrecken und Verwirrung.“ So beginnt die autobiografisch gefärbte Erzählung aus dem Blickwinkel eben jenes dreijährigen Laurie Lees. Der Leser begleitet den Protagonisten bis zum Jugendlichen. Bis zum titelgebenden Cider mit Rosie.

Die Erzählung spielt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die Familie zieht ins ländliche England und lebt hier in einem „Haus mit Garten […] am abfallenden Ufer eines Sees […] in einem dreistöckigem Haus mit Keller und einem eingemauertem Schatz.“

Laurie Lee lebt vollkommen zufrieden in dieser Welt der Frauen, denn der Vater geht seiner Karriere im fernen London nach. Nur sein Bild hängt in der Küche des typischen Cotswoldhauses aus dem 17. Jahrhundert. Von dort schaut er mit dem Kneifer auf das lebendige Treiben seiner Familie. Die Mutter allein kümmert sich um die sieben Kinder, von denen nur drei ihre leiblichen Nachkommen sind. Die Kinder sind so glücklich, wie sie leben. Das einfache, ländliche Leben mit seinen kruden Figuren und Situationen reicht ihnen, um als selbstbewusste Menschen in das Leben hinaus zu gehen.

Laurie Lee verfügt über ein phänomenales Gedächtnis. Seine Kindheitserinnerungen verzücken durch ihre Sinnlichkeit und die Kraft der wundervoll detailreichen Sprache. Der Text ist frei von Sentimentalitäten und beweist große Beobachtungsgabe und Spaß am Erzählen.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive des kleinen Laurie Lees geschrieben und behält dessen kindlich-schlichte Sichtweise durchgängig bei. „Cider mit Rosie“ ist eine Reise in die Vergangenheit, in die guten alten Zeiten, ohne Internet, Handy und Fernsehen. Es ist der Beweis, dass Glücklichsein sich nicht aus materiellem Wohlstand ableitet.

Laurie Lee: Cider mit Rosie (1959).
Unionsverlag, Oktober 2020.
320 Seiten, Taschenbuch, 13,95  Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Michael Pick.

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