Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands

„Wonderlands“ gibt es viele – nicht nur Alice war dort. Hundert Wunderländer aller Art aus über 3.000 Jahren Literaturgeschichte hat die US-amerikanische Journalistin, Kritikerin und Autorin Laura Miller in diesem Buch zusammengestellt. Geschrieben wurden die jeweils wenige Seiten umfassenden Essays von rund 40 Autorinnen und Autoren, ins Deutsche übersetzt von Hanne Henninger, Susanne Kolbert und Madeleine Kaiser.

„Alle in diesem Buch beschriebenen Werke spielen in Ländern, die rein der Fantasie entspringen“, schreibt Laura Miller in ihrer Einleitung (Seite 10). Dabei können diese fantastischen Welten sehr viel Ähnlichkeit mit (früheren oder aktuellen) realen Gegebenheiten haben, aber sie können auch in der Zukunft, im Jenseits oder auf anderen Planeten liegen oder von Wesen bevölkert sein, die mit der Wirklichkeit – wie wir sie kennen – so gut wie nichts zu tun haben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie der Vorstellungskraft von ganz besonderen Menschen entstammen. Menschen, die mit ihren Ideen, ihrem Einfallsreichtum und ihrem literarischen Schaffen Generationen von Leserinnen und Lesern geprägt haben und das weiterhin tun werden.

„Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J. K. Rowling, Stephen King, J. R. R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.“ – so lautet der Untertitel des Buches. Und tatsächlich gibt es viel mehr als nur Welten zu entdecken: zum Beispiel den Einfluss der antiken Epen auf unzählige spätere Werke; eine Menge Wörter und Wendungen, die aus den Geschichten in die Sprache übernommen wurden (wie Echo und Narziss aus Ovids Metamorphosen oder „Big Brother is watching you“ aus George Orwells 1984) oder die philosophische Tiefe mancher Erzählungen, die auf den ersten Blick eher auf Effekte und Spannung setzen.

Neben einer Zusammenfassung des Inhalts der Bücher, erfährt man in den Essays auch allerlei Besonderes über sie, zum Beispiel, dass die britische und die amerikanische Ausgabe von „A Clockwork Orange“ viele Jahre unterschiedlich endete. Oder dass Margaret Cavendish, Duchess von Newcastle, mit „Die gleißende Welt“ im Jahr 1666 eines der allerersten Werke der Science-Fiction veröffentlicht hat (Seite 71). Beeindruckend ist auch die Vielfalt der gesammelten Werke: Utopien stehen neben Dystopien, Märchen neben Sagen, magischer Realismus neben Science-Fiction, Abenteuergeschichten neben „hoher“ Literatur. Dass auch meine geliebte Mumin-Welt darunter ist, freut mich besonders (ein Porträt von Tove Jansson finden Sie in „Rebel Artists“).

Die meisten der vorgestellten Bücher sind weltbekannt. Viele davon habe ich gelesen oder ich habe Verfilmungen der Geschichten gesehen, dennoch konnte ich überall Neues für mich entdecken. „Wonderlands“ macht Lust, sich auf Reisen durch die vielfältigen Fantasiewelten zu begeben, die hier vorgestellt werden, ob man sie schon kennt oder nicht. Man kann das Buch von vorne bis hinten durchlesen, man kann es quer und durcheinander lesen oder es als Nachschlagewerk nutzen. Kurz, knackig, informativ und wunderbar mit passenden Gemälden, Buchcovern und Autorenfotos bebildert, sind die Essays in „Wonderlands“ eine Fundgrube für Bücherwürmer, Fantasy-Fans (im weitesten Sinn) und Entdecker*innen.

Klare Empfehlung!

Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands: Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a
wbg Theiss, Oktober 2020.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 28,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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