László Krasznahorkai: Herscht 07769

Um es gleich zu Beginn klar zu sagen: Es ist eine einzige Quälerei, dieses Buch zu lesen. László Krasznahorkais Roman „Herscht 07769“ besteht auf über 400 eng bedruckten Seiten aus einem einzigen Satz. Absätze oder gar Unterteilungen in Kapitel sucht man vergeblich.

Wer die Form derart überbetont, hat inhaltlich wenig zu sagen, möchte man meinen. Dem ist hier nicht so: Im Grunde ist „Herscht 07769“ ein Ausloten deutscher – vor allem ostdeutscher – Befindlichkeiten.

Titelheld Florian Herscht schreibt Briefe an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in denen er sie vor dem Weltuntergang aufgrund irgendwelcher physikalischer Prozesse warnt. Sein Leben zwischen Neonazis, seinem ganz speziellen Wahn, der Musik Bachs und anderen Absonderlichkeiten, die immer mehr ins Absurde gehen, könnte beispielhaft den Zustand eines Teils der Gesellschaft offenlegen – wäre da nicht die schier unerträgliche Form. Eine vertane Chance. Schade!

László Krasznahorkai: Herscht 07769.
Aus dem Ungarischen übersetzt von Heike Flemming.
S. Fischer, Oktober 2021.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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