Klaus Modick: Fahrtwind

Wie sähe Joseph von Eichendorffs spätromantische Taugenichts-Erzählung von 1826 aus, wenn man sie heute schreiben würde? Dieses literarische Experiment wagt Klaus Modick in seinem Roman „Fahrtwind“. Herausgekommen ist ein ausgesprochen vergnüglicher Text, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Es geht um die Liebe, die Musik, den Rausch und das süße Nichtstun. Ironie und ein gewisses Augenzwinkern sind ständige Begleiter bei der Lektüre.

Ein junger Mann hat keine Lust, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der das Firmenschild seines Sanitär-Großhandels-Unternehmens gerne mit dem Zusatz „& Sohn“ versehen würde. Stattdessen packt dieser Sohn seine Siebensachen inklusive Gitarre und macht sich ohne viel Geld und ohne ein rechtes Ziel auf den Weg hinaus in die weite Welt. Wie bei Eichendorff wird er von zwei Damen aufgegabelt, nur dass die nicht in einer Kutsche unterwegs sind, sondern in einem Mercedes-107-Cabrio, wie es in den 70er-Jahren, in denen der Roman spielt, modern war. Und natürlich verliebt sich unser Ich-Erzähler in die jüngere der beiden Frauen.

Gespickt ist dieser Roman mit allerlei Gedichten und Naturbeschreibungen – wie das unvergleichliche Licht in Italien – und ihre Wirkung auf den jungen Mann. Und auch das ist eine Anlehnung an das große Vorbild aus der Romantik. Man folgt als Leser gerne diesem modernen Taugenichts – zum Beispiel, wenn sein „Job“ in einem italienischen Gutshaus lediglich darin besteht, absolut nichts zu tun, wenn er diverse Damen anhimmelt, die Zuhörer mit seinem Gitarrenspiel erfreut oder Bekanntschaft mit der Wirkung bestimmter Pilze kennenlernt.

Das Ganze ist ein gelungener Spaß oder ein Märchen, das nur wenig Bezug zur Realität haben will. Und am Ende gibt‘s ein rauschendes Finale – ganz ohne Sanitärgroßhandel.

Klaus Modick: Fahrtwind.
Kiepenheuer&Witsch, April 2021.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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