Kim Rabe: Berlin Monster: Nachts sind alle Mörder grau

1989 stehen sich der Westen und der Osten nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Am Deutlichsten wird dies dort, wo die beiden Reiche direkt aufeinanderstoßen – in der geteilten Stadt, in Berlin. Dann explodiert in Tempel eine Bombe, die eine neuartige, bis dato unbekannte Strahlung freisetzt. Die Omega-Bombe setzt Phantasien und Wesen frei, die man bislang nur aus Märchen, Sagen und Überlieferungen kannte. In der Folge wurde Deutschland wiedervereinigt, der kalte Krieg beendet und die Jagd auf Vampire und Werwölfe eröffnet.

Lucy, einst Polizistin in einer Spezialeinheit für übernatürliche Verbrechen in berlin hat sich selbstständig gemacht. Ihre Detektei läuft mehr schlecht als recht, als sie einen neuen Auftrag erhält. Sie soll nach einer verschwundenen Fee suchen. Gleichzeitig erschüttert ein Serienkiller die Stadt. Die übernatürlichen Wesen, die ihm zum Opfer fallen werden ihres Herzens beraubt und grausam zugerichtet aufgefunden. Hängen beide Fälle zusammen und was nur hat die Verschwundene in ihren Tarnidentitäten gemacht, dass die Mächtigen und Einflußreichen. Politiker wie Banker, die Nachforschungen zu torpedieren suchen?

Was ist das für ein Roman, den eine gebürtige Süddeutsche, die jetzt im Frankenland lebt in Berlin für ihre Leserinnen und Leser anrichtet? Nun, gemeinhin läuft derartiges Lesefutter unter der Überschrift Urban Fantasy. Unsere reale Welt dient als Bühne, in der übernatürliche Wesen eine mehr oder minder dominante Rolle spielen.

Rabe nutzt dieses Schema aber auf ganz eigene Weise, Nicht nur, dass sie en passent viel Lokalkolorit hat einfließen lassen, sie stellt uns markante und damit interessante Figuren vor. Dabei beleuchtet sie gekonnt und nie aufgesetzt wirkend auch die Schattenseiten der Metropole, berichtet uns von der alltäglichen Diskriminierung der Bewohner – in erster Linie, der Stif aber auch der Bevölkerungsschichten mit Migrationshintergrund – von transgender Menschen, die in Nischen- und Randbereichen der Vergnügungsindustrie ihr Dasein fristen, von der Suche nach und dem Wunsch nach Anerkennung und Chancengleichheit.

Die gestalten geben dem Plot ihr Gepräge, die Kulisse, die immer wieder ungewohnte Einblicke in die Hauptstadt ermöglicht dient als faszinierende Bühne auf der ein auf den ersten Blick bekannter Private Eye-Plot abläuft, der aber über die Inkludierung der übernatürlichen Wesen eine ganz andere Dimension erreicht, als erwartet. Stilistisch ansprechend, inhaltlich packend war der Roman für mich einer der großen, positiven Überraschungen des Lesejahres.

Ein Dank gebührt, für den Hinweis auf diesen wahrlich vorzüglichen Band, der mir sonst wohl entgangen wäre, dem Team vom Berliner Otherland.

Kim Rabe: Berliner Monster: Nachts sind alle Mörder grau.
Bastei Lübbe, August 2021.
416 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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