Kevin Hearne: Überfallen

Der letzte Auftritt unseres Druiden lässt weiter auf sich warten. Zwar ist die Situation für Atticus O´Sullivan nicht eben rosig, sind doch so gut wie alle Götter der Pantheons auf die eine oder andere Art hinter ihm her, doch wie er dieses Mal beim geweissagten Armageddon seinen Kopf aus der Schlinge ziehen wird, ist und bleibt zunächst offen. Um die Zeit bis zum Erscheinen des Abschluss-Bandes des Zyklus´ nicht allzu lang werden zu lassen, legt der Verlag in vorliegendem Band neun Kurzgeschichten aus und um das Leben unseres Eisernen Druiden auf. Diese spielen zwischen den Romanbänden, und beleuchten zumeist auf faszinierende Art die Vergangenheit unseres Druiden.

Gleich in der ersten Erzählung rettet er zum Beispiel einige Schriftrollen mit magischen Sprüchen aus der damals noch existierenden Bibliothek von Alexandria – wobei die Schriften leider nicht ganz so unbewacht sind, wie erhofft – sprich, die altägyptischen Götter sind hinter Atticus her. Dass unser Druide in seinem mehr als eintausend Jahre währendem Leben auch berühmte Figuren kennen gelernt hat, ist klar. Dass er aber zusammen mit Shakespeare den Hexen bei ihrem magischen Treiben nachgestellt hat, gehört nicht zum allgemeinen Wissensgut. When shallt we three meet again, in fire lightning and in rain – bekommt so eine ganz andere Bedeutung. Einem Höllentor das Ghule ausgerechnet in Granuailes Heimatort geöffnet haben zwingt Atticus und seine Getreuen, sich den finsteren Mächten entschieden in den Weg zu stellen.

In der nächste Erzählung erfahren wir, was hinter dem großen Brand von San Francisco wirklich steckt – die Heimsuchung der damaligen Goldgräberstadt durch einen Dämon nämlich – und diese ruft Atticus auf den Plan … Erzdruide Owen, Lehrer und Mentor von Atticus darf auch einmal von seiner ersten Begegnung mit dem damals noch jungen, naseweise Atticus berichten. Dass er so nebenbei die Entführung von Kindern aufklärt reichert den Plot an …

Zusammen mit der Gott Perun besuchen wir einen Sado-Maso Club in Schottland, der von eine Nymphe heimgesucht wird. Granuaile, Lehrling von Atticus und angehende Druidin nimmt sich in Polen der Heimsuchung der Stadt durch Vampire an – auf recht drastische und endgültige Art und Weise versteht sich … Die Tasmanischen Teufel werden von Geistern heimgesucht. Nun könnte man denken, dass Tiere das wenig stören würde, allein, die Heimsuchung löst bei den Lebewesen Krebs aus. Die Druiden eilen zur Hilfe … Bevor Atticus in sein letzten Gefecht gegen Loki zieht, berichtet er Oberon von seinem ersten tierischen Gefährten und verabschiedet sich von Oberon – weiß er doch nicht, ob er Armageddon überleben wird …

Vorliegender Band ist nichts für Atticus Neulinge. Die Geschichten setzen die Kenntnis der Saga voraus, zu viele Anspielungen und Hinweise versteht man nur, wenn man die Romane gelesen hat. Dies vorausgeschickt lässt sich die Lektüre teilweise recht unterhaltsam, manches Mal aber auch zäh an. Die Qualität der Erzählungen schwankt immens, insbesondere die Geschichten, in denen Perun und Owen bildlich gesprochen im Fahrersitz Platz nehmen, fallen doch deutlich ab.

Interessant wird es immer dann, wenn sich Hearne Zeit und Platz nimmt. Die Geschichte um die Bibliothek in Alexandrien etwa, oder die Heimsuchung San Franciscos wissen ob ihres straffen Handlungsbogens und der interessanten Anlage zu überzeugen. Hier, in der Vergangenheit, weiss Hearne besonders zu überzeugen. Mit leichter Hand lässt er eine lang vergangene Zeit wieder auferstehen, berichtet uns von einer Ära, in der sich die Menschen anders verhielten, in der sie aber auch von denselben Motiven angetrieben wurden, wie heute.

Natürlich bieten die Geschichten auch ein willkommenes Wiedersehen mit Figuren, die uns aus den Romanen bekannt sind. Erstaunlicherweise aber nutzt Hearne diese Gelegenheit nur zögerlich aus. Zumeist stehen Jugendabenteuer unseres Druiden im Mittelpunkt des Geschehens, die bekannte Figuren allenfalls am Rande streifen.

So bleibt ein etwas ambivalentes Gefühl zurück. Es gibt wie angedeutet wirklich tolle Stories, daneben aber auch Beiträge, die nicht wirklich fesseln oder überzeugen. Warten wir gespannt, was Hearne für uns im finale Abschlussband der Saga mit dem drohenden Armageddon bereit halten wird.

Kevin Hearne: Überfallen: Stories aus der Chronik der Eisernen Druiden.
Klett-Cotta, Januar 2019.
301 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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