Kathrin Passig, Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende

Wer hat nicht schon davon geträumt, den Urknall zu bestaunen, einem berühmten Wissenschaftler über die Schulter zu schauen oder auf einer Maya-Party die neu erfundene Schokolade zu schlürfen? Eine Zeitreise macht das jetzt möglich. Jedenfalls ist das eine der Annahmen, die Kathrin Passig und Aleks Scholz für ihr Buch getroffen haben. Sie sind ihrer Zeit eben etwas voraus. Wenn Sie das Buch aber jetzt schon lesen und nicht warten wollen, bis Sie durch eine Transitzone in eine Parallelwelt rauschen können, macht das mindestens genauso viel Spaß wie eine echte Reise – und ist viel ungefährlicher. Und wenn es dann soweit ist, sind Sie bestens vorbereitet.

„Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer“ lautet der Untertitel des Handbuchs und das ist noch lange nicht alles. Im Kapitel „Eine kurze Geschichte der Zeitreise“ erfahren die Leser*innen zunächst – auch für Nicht-Fachleute wie mich verständlich – die physikalischen Hintergründe des Phänomens. Dann geht es auch schon an die konkreten Reisetipps.

Mal werden ganz bestimmte Ereignisse empfohlen, wie die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, wo nicht nur technische Neuerungen, sondern auch „exotische“ Menschen ausgestellt wurden. Mal umfasst die potenzielle Reisezeit mehrere Millionen Jahre, wie bei einem Besuch der Dinosaurier. Auch über (nicht mehr bestehende) Kulturen, die bei uns eher unbekannt sind, erfährt man so einiges. Gefährlich kann es nicht nur in der Kreidezeit werden, sondern auch, wenn man sich für einen Krieg oder größere und kleinere Weltuntergänge (wie Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge) interessiert. Überhaupt lauern in der Vergangenheit Gefahren und Hindernisse, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Hier gibt es ganz praktische Tipps, zum Beispiel zur Reisezeit, zur Hygiene, zum Benehmen, zu Kleidung, Unterkunft und Verpflegung.

Wichtig sind den Autoren auch die ethischen Aspekte der Reise. Man sollte probieren, in der Zeit, in die man reist, möglichst nichts kaputt zu machen, die Leute nicht zu verwirren und keinen Müll zu hinterlassen (was wiederum die Archäologen unter Umständen verwirren könnte, die ihn später ausgraben). Ein wenig kann man sich aber trotzdem einmischen. Kleine Weltverbesserungen sind möglich. Auch dazu gibt es passende Vorschläge.

So erfährt man ganz nebenbei eine ganze Menge über die Vergangenheit. Geschrieben ist das Buch flott, witzig und informativ. In keiner Sekunde wird es langweilig. Was hier vereinigt ist, bleibt sicher länger hängen als trockene Fakten aus dem Geschichtsunterricht (oder aus anderen Fachgebieten wie der Physik oder der Medizin). Mit der Journalistin und Autorin Kathrin Passig und dem Astronomen und Autor Aleks Scholz hat sich hier wieder das Team zusammengefunden, das schon für das „Lexikon des Unwissens“ verantwortlich ist. Wieder ist die Bandbreite der Themen beeindruckend.

Wer Lust auf Neues hat – auch wenn es in der Vergangenheit liegt – oder Bekanntes aus einer neuen Perspektive betrachten möchte, hat am „Handbuch für Zeitreisende“ sicher viel Freude. Ich habe das Lesen genossen und empfehle es sehr gerne weiter.

Kathrin Passig, Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende: Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer.
Rowohlt, Mai 2020.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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