Katherine Dunn: Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie

bine„Geek Love“ von Katherine Dunn hatte in den 90er-Jahren in Amerika wahren Kultstatus. Prominente wie Nirvana-Frontman Kurt Cobain oder Regisseur Terry Gilliam zählten den Roman zu ihren Lieblingsbüchern.

Umso verwunderlicher ist es, dass er erst jetzt – 25 Jahre später – unter dem ind. Die Eltern Al und Lil haben mit allerlei Medikamenten vor und während der Titel „Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie“ auf Deutsch erschienen ist.Die Binewskis sind eine Zirkusfamilie mit fünf sehr absonderlichen Kindern. Da ist Aquaboy Arturo, der anstelle von Armen und Beinen Flossen hat, die ewig streitenden siamesischen Zwillinge Elly und Iphi, die bucklige Zwergin Olympia, aus deren Sicht die Geschichte erzählt ist – und schließlich Chick, den die Eltern erst aussetzen wollten, weil er zu normal schien. Doch dann stellt sich heraus, dass auch er eine ganz besondere Eigenschaft hat. Natürlich sind diese Kinder nicht von selbst so geworden, wie sie sSchwangerschaft nachgeholfen, denn schließlich brauchen sie für ihren Zirkus Freaks, die Geld bringen.

Der Roman stellt herkömmliche Anschauungen auf den Kopf. In der Welt der Binewskis gilt Normalität oder gar Schönheit gar nichts, das Absonderliche aber wird verehrt. Diesen Aspekt treibt die Autorin im weiteren Verlauf des Buches ins Groteske, indem sie eine Sekte in Erscheinung treten lässt, deren Mitglieder um jeden Preis so werden wollen wie Fischmann Arturo und sich dafür sogar verstümmeln lassen.

Auf einer zweiten Erzählebene, die 20 oder 30 Jahre nach diesen Ereignissen spielt, spürt Zwergin Olympia einer Frau nach, die andere Frauen verunstaltet, um sie für Männer unattraktiv zu machen. Sie will diese Frauen damit unabhängig von Männern machen und ihre wahren Talente zum Vorschein bringen.

Kritik am Schönheitswahn stecken in diesem sehr außergewöhnlichen Roman ebenso wie an einer allzu leicht beeinflussbaren Gesellschaft. Insgesamt ist „Binewskis“ extrem empfehlenswert.

Katherine Dunn: Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie.
Berlin-Verlag, Mai 2014.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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