Katharina Korbach: Sperling

Sie hatten beide lange nichts gesagt, dem Regen gelauscht. Von draußen war trübes Licht ins Zimmer gefallen, das über die Wände zog, wann immer ein Auto vorüberfuhr. Illuminierte Quadrate, durchschnitten von den Bahnen der Tropfen auf den Fensterscheiben. Ein Schattentheater.“ (S. 210)

Vorweg: Ich persönlich finde den Buchtitel und das Cover genauso einzigartig wie den Roman selbst.

Als ich mich der Story hingegeben habe, musste ich mich zuerst an den Schreibstil gewöhnen und wusste nicht so recht, wo mich diese Geschichte hinführen wollte. Katharina Korbach schreibt in einer klaren Sprache, literarisch bemerkenswert und elegant. Ganz deutlich spürt man beim Lesen die Liebe zur Kunst und auch zur französischen Sprache. Empfindungen und Gedanken kommen auf eine bedrückende Art und Weise zu Tage und so offenbart die Autorin der Leserschaft die fragile Verbindung zwischen Dozent und Studentin. Die Perspektivwechsel zwischen Charlotte und Wolfgang haben mir sehr gut gefallen. Auch wenn beide eine fast identische Erzählsprache aufweisen und ich einige Alltagszenen etwas langatmig empfand, war es äußerst interessant, ihren Lebenswegen zu folgen.

In der Story wird nicht alles erzählt, so manches bleibt im Verborgenen – so wie auch Charlotte ihrem Psychoanalytiker Dr. Szabó gewisse Gegebenheiten verschweigt. Das Gesagte als auch das Ungesagte wird fein nuanciert und schafft Tiefe.

Ich persönlich finde es erstaunlich erfrischend, dass explizite Momente – insofern sie überhaupt passiert sind – unerwähnt bleiben. Das harmoniert auch mit dieser spürbar kühlen Nüchternheit, die die Seiten wie eine undurchdringlich-mysteriöse Brise durchzieht und exakt diese Atmosphäre spiegelt das Seelenleben der Protagonistin Charlotte so eindrucksvoll wider.

Aus diesen Gründen passt für mich die Bezeichnung „leuchtender Großstadtroman“ nicht so ganz. Das Werk ist weniger aufregend berauschend, vielmehr faszinierend tiefgreifend.

Für mich ist „Sperling“ ein wirklich sehr gelungener Roman, der durch intelligent verwobene Storylines den Leser mitten ins Geschehen zieht. Empfehlenswert für jeden Literaturgenießer.

Katharina Korbach: Sperling.
Berlin Verlag, März 2022.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Olivia Grove.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.