Karla Schmidt: Die rote Halle

rotDie Kostümbildnerin Janina Zöllner reist zusammen mit ihrem Sohn Simon von Vancouver nach Berlin. Hier soll sie für den berühmten Choreographen Josef Rost arbeiten, mit dem sie einige Jahre zusammen gelebt hat und der für Simon ein hingebungsvoller Ersatzvater gewesen ist. Rost will im stillgelegten Flughafen Berlin-Tempelhofen eine grausige Version des „Märchens von den roten Schuhen“ inszenieren. Ein Mädchen muss in den verbotenen Schuhen tanzen, bis ein Scharfrichter ihr die Füße abhackt und sie dadurch erlöst.

Bei ihrer Ankunft in Berlin reagiert Janina zunächst geschockt, denn der Tänzer David Warschauer soll die männliche Hauptrolle übernehmen. Er ist Simons Vater, was weder er selbst noch sein Sohn wissen. Vor fünfzehn Jahren hat David sich mit einer anderen Frau verlobt, bevor er von der Schwangerschaft Janinas erfahren hat. Für die weibliche Hauptrolle ist die Tänzerin DeeDee vorgesehen, die bei einem Autounfall schwer verletzt wurde und seitdem verkrüppelt ist.

Die gemeinsame Arbeit gestaltet sich schwierig. Josef Rost ist unkonzentriert und fahrig und reagiert ungewohnt aggressiv. Seinem Ziehsohn Simon schenkt er keinerlei Beachtung, worunter der sensible Junge leidet. Als Rost die weibliche Hauptrolle überraschend an die junge Tänzerin Rose Berlin vergibt, die Geliebte David Warschauers, überschlagen sich die Ereignisse. Die junge Frau verschwindet und Tage später wird ihre brutal zugerichtete Leiche in der ehemaligen Abflughalle aufgefunden. Auch Simon verschwindet spurlos. Um ihren Sohn zu retten, verlangt der Täter von Janina Unvorstellbares: Sie soll einen Menschen töten.

Während mich „Das Kind auf der Treppe“, der erste Thriller von Karla Schmidt, nicht begeistert hat, konnte ich „Die rote Halle“ kaum aus der Hand legen. Von der ersten Seite an zieht die Autorin den Leser in einen Strudel atemberaubender Ereignisse hinein. Erst allmählich stellt sich heraus, in welche komplizierten und tragischen Beziehungen die Protagonisten untereinander verstrickt sind. Der Ausgangspunkt scheint die fünfzehn Jahre zurückliegende Inszenierung von „La Cenerentola“ zu sein, in der sowohl Janina als auch die Tänzer David Warschauer und DeeDee bereits mit Josef Rost zusammengearbeitet haben und nach deren Premiere ein junger Mann in Rosts Villa Selbstmord begangen hat.

Der Schauplatz des Romans ist genial gewählt und macht einen großen Teil des morbiden Reizes dieses Thrillers aus. Karla Schmidt hetzt ihre Protagonisten durch die ausgestorbenen Gänge und die weitläufigen Hallen des still gelegten Flughafens Berlin-Tempelhofen. Das verlassene und unheimliche Flughafengelände erinnert an das riesige, menschenleere Overlook Hotel aus dem Roman „Shining“, in dem Stephen King den alkoholabhängigen Autor Jack Torrance seinen ganz persönlichen Alptraum erleben lässt.

Fazit:
Ein furioser Thriller mit verwickeltem Plot, düsterem Schauplatz und einem Herzinfarkt-Finale. Ich bin gespannt, ob es der Autorin gelingt, das mit ihrem nächsten Roman noch zu toppen.

Karla Schmidt: Die rote Halle.
Piper, Januar 2012.
320 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

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