Karl Wolfgang Flender: Helden der Nacht

Es ist schon mutig, nach dem Vorbild oder im Stile von Dashiel Hammet und/oder Raymond Chandler zu schreiben. Das wird schwer, das liegt in der Natur der Sache. Ist es den altvorderen Kriminalliteraten eigentlich immer gelungen, seinen Detektiven ein klares Profil zu geben, auf das man sich verlassen konnte. Am Ende des Falles kommt noch eine letzte Kurve und Philip Marlowe schaut irgendeiner Frau in die Augen, und der Fall war eigentlich gelöst und dann wieder nicht. Denn richtig glücklich war Marlowe nie, denn die ganz großen Haie, haben sich doch immer wieder raus gewunden. In etwa versucht Karl Wolfgang Flender dem gerecht zu werden.

Herausgekommen ist eine zu Anfang noch nachvollziehbare Story eines vor dem Ruin stehenden Detektivbüros, vertreten durch den Junior Bryan Auster und einer Kriminalkommissarin namens Colleen McCollum. Und schon kommen erste Irritationen, bzw. ich habe nicht verstanden, warum Auster seine Sicht der Dinge im Imperfekt erzählt und Colleen immer in der Gegenwart. Außerdem irritiert, dass man lange Zeit gar nicht weiß, wo man eigentlich ist. Der Autor gibt den Beteiligten amerikanische Namen und man wähnt sich in der Falle, weil man nicht weiß, sind wir in New York oder in Berlin.

Thematisch nimmt Fender die ganze unsägliche Gegenwart mit: ein mit der NSU vergleichbarem Pärchen das –im Auftrag für was auch immer – rituell mordend durchs Land zieht und eine Art Reichsbürgerwehr, paramilitärisch organisiert, kommt auch drin vor. Ferner die allgegenwärtigen fakenews Algorithmen und der Computer – Nerd, der das ganze durchschaut und kräftig rumhackt. Bryan und Colleen bestimmen die Story, die ausgehend von einem Verarscheportal namens „sidestep“, wo der nicht nachweisbare Seitensprung das Geschäftsmodell ist, und verstricken sich immer mehr in dem Fall, wobei die Verschwörungstheorien sich die Klinke in die Hand geben. Zum Ende kommt  alles noch zu einem James Bond Finale und der Superbösewicht zeigt den beiden Antihelden, wie er die Welt beherrschen will. Ich beherrsche mich auch und lege das Buch zur Seite, das ich nur bedingt empfehlen kann.

Karl Wolfgang Flender: Helden der Nacht.
DuMont Buchverlag, August 2018.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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