Karl Ove Knausgård: Im Herbst

Karl Ove Knausgård versteht es immer wieder, mit seinen Büchern Aufsehen zu erregen. So ist es kein Wunder, dass er als wichtigster norwegischer Gegenwartsautor gehandelt wird und seine Werke in über 30 Sprachen übersetzt wurden.

„Im Herbst“ ist der erste von vier Bänden seiner Jahreszeiten-Reihe. Basis dieses Bandes sind drei Briefe, die er an seine noch ungeborene Tochter für jeden Herbstmonat verfasst. In den angegliederten kurzen Geschichten erklärt Knausgård dem Kind seinen Blick auf die Welt, den er autobiografisch und empathisch, letztlich aber keineswegs immer dem Gemüt eines Kindes angemessen, wiedergibt. Seine teils philosophischen Betrachtungen lesen sich verblüffend detailliert und doch nüchtern. Seine einfache, unverschnörkelte Sichtweise verdeutlicht die Dinge die uns umgeben und die wir wie selbstverständlich als Ganzes betrachten, wie durch einen Röntgenapparat. Dabei thematisiert er in literarischer Aufbereitung Alltägliches und immer wieder Banales auf erstaunliche Weise. Letztlich leuchtet er selbst Bereiche aus, die er für so manchen Geschmack wahrscheinlich getrost hätte ausklammern können, – so etwa unter anderem seine Ausführungen über die Toilettenschüssel (auch wenn er die Assoziation mit einem weißen Schwan aufleben lässt) oder Erbrochenes… Am Ende ist es jedoch genau diese intensive unverblümte Direktheit, mit der  Knausgård sich abhebt.

Insgesamt folgen die über sechzig Essays keinem roten Faden. Man hat das Gefühl, Knausgård lässt seinen Blick frei um sich schweifen, bleibt an etwas hängen und schreibt los.

So liest man nach jedem der drei an sein ungeborenes Kind gerichteten Briefe je zwanzig unterschiedlichste kurze Geschichten mit so unterschiedlichen Titeln wie Wespen, Schweinswale, Pisse, Blut, Kaugummis, Gummistiefel, Finger, Dachse, Van Gogh, Schmerz, Thermosflaschen, Stille…

Sich auf Knausgård einzulassen, bedeutet Altbekanntes ganz neu zu erfahren.

Karl Ove Knausgård: Im Herbst.
Luchterhand Literaturverlag, September 2017.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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