Kara McDowell: One Way or Another

Die siebzehnjährige Paige ist schon lange in Fitz verliebt. Vor ein paar Jahren lernte sie ihn in der Schule kennen und schätzen. Heute sind sie beste Freunde. Inzwischen ist Fitz größer als sie und präsentiert ihr immer wieder eine neue Freundin. Für Paige ist dieser häufige Wechsel schmerzhaft. Einerseits möchte sie von ihm geliebt werden, und gleichzeitig hat sie Angst, ihren besten Freund zu verlieren. Soll sie sich ihm offenbaren oder lieber nicht? Und was wäre, wenn sie, als die nächste neue Freundin, nach kurzer Zeit ebenfalls eine der vielen Exfreundinnen würde? Für die Beantwortung dieser Fragen braucht Paige Hilfe.

Die Autorin Kara McDowell lebte wie Paige in der Wüste. In ihrer Danksagung schreibt sie, die Geschichte von Paige sei ihre Persönlichste, weil ihr Romantikerherz mit dem Hang zu Angstzuständen Regie führe.

Auch Paige hat Ängste, und zwar viel mehr als ein einzelner Mensch ertragen kann. Es fällt ihr unendlich schwer, Entscheidungen zu treffen. Ohne dass sie es will, startet in ihrem Kopf ein Prozess, bei dem nur die schlimmsten Folgen aufgezählt werden. Wie soll sie sich für oder gegen etwas entscheiden, wenn sie stets mit dem Schlimmsten rechnen muss? Trotzdem sehnt sie sich nach Fitz, ihrer großen Liebe. Gleichzeitig will sie die Welt sehen und Reiseschriftstellerin werden. Doch wenn sie fortginge, würde sie Fitz verlassen. Hin- und hergerissen sucht Paige nach einem Ausweg und nimmt sogar Hilfe von ihrer Freundin Clover und einer Entscheidungs-App an, die nur auf den ersten Blick eine echte Hilfe ist.

Der Clou dieser Geschichte ist der Wechsel zwischen zwei Paralleluniversen und ihren eigenständigen Erzählsträngen. Weil Paige sich nicht entscheiden kann, ob sie über die Weihnachtstage mit ihrer Mutter nach New York fliegen oder bei Fitz und seiner Familie in den Bergen verbringen möchte, erlebt sie beides zeitgleich. Die erste Paige fliegt nach New York, und die zweite fährt mit Fitz in die Berge. Auf diese Weise kann sie herausfinden, ob der eine oder andere Weg (One Way or Another) der Richtige für sie ist.

In der Übersetzung aus dem Amerikanischen von Nadine Mannchen wird die Geschichte der Selbstfindung mit viel Gefühl und entsprechenden Verwicklungen erzählt. Die beiden unterschiedlichen Erzählstränge könnte man mit romantischen Komödien vergleichen. Der schwierige Weg, die wahre Liebe zu erkennen und festzuhalten, orientiert sich unter anderen an dem Film Harry und Sally.

„Was ist falsch an einem Happy End?“, fragt Paige in New York. „Mach romantische Filme nicht schlecht, nur weil sie nicht deine Lebensgeschichte erzählen. Dafür sind sie nicht gedacht und auch nicht gemacht.“ (S. 135)

Die Autorin feiert in ihrem kurzweiligen Roman die Romantik und zeigt dabei, ob Liebe und Freundschaft miteinander funktionieren.

Kara McDowell: One Way or Another.
Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Mannchen.
Loewe, Juni 2021.
400 Seiten, Taschenbuch, 14,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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