Kai Meyer: Der Pakt der Bücher

Willkommen zurück im London des Jahres 1880. Genauer gesagt in Cecil Court, der Straße der Buchhändler. Hier, inmitten kleiner Buchhandlungen, die das Herz eines jeden Liebhaber gedruckter Werke höher schlagen lassen, leben Mercy, Tempest und Philander und betreiben gemeinsam das Liber Mundi Antiquariat. Was wenige auch nur ahnen ist, dass Mercy und Tempest nicht nur wackere Bibliomanthen sind, sondern, dass Mercy sich ihren Lebensunterhalt und das wirtschaftliche Überleben des Antiquariats auch durch ihre perfekt ausgeführten Diebstähle finanziert. Dabei hat sie sich auf das Organisieren von seltenen Büchern spezialisiert.

Zuletzt war sie, für niemand geringeren, als Sedgwick,den Leiter der Polizei Londons auf der Suche nach den verschollenen Kapiteln des legendären Flaschenpostbuchs, im Einsatz. Und sie hat es fast geschafft – bis auf ein Kapitel hat sie ihrem Auftraggeber alle legendären Teile beschafft. Nun drängt dieser darauf, dass sie auch das letzte Kapitel besorgt. Erst dann kann Sedgwick seinen Traum, mittels des Flaschenpostbuches eine Figur aus einem legendären, unvollendeten Roman in seine Welt zu holen und das Rätsel, um den unvollendeten Schluss des Buches lösen, erfüllen.

Doch dann kommt es, wie es scheinbar immer kommen muss – dritte Parteien mischen sich vehement und gewaltbereit ein, Agenten und Attentäter, Revoluzzer und Terroristen hinterlassen ihre blutigen Spuren und die Welt der Magie der Bücher selbst scheint bedroht …

Mit der Trilogie um die „Seiten der Welt“ hat Kai Meyer uns erstmals in die so faszinierende Welt der Bibliomanthen entführt. Hier, inmitten alter, ehrwürdiger und magischer Bücher hat er uns mit Geschichten gerührt, mit Figuren leiden lassen und unser Herz vor Trauer und Freude fast zerspringen lassen, ob der Ereignisse, Prüfungen, Verluste aber auch Triumphe unserer Protagonisten. Die Geschichte schien erzählt, doch mit „Die Spur der Bücher“ kehrte der Autor noch einmal, zu einem frühere Handlungszeitpunkt in seine Kreation zurück. Nun also schließt er auch das Prequel mit dessen zweiten Band ab, und hält so Einiges für seine Leser bereit.

Wie wir dies von Meyer kennen, verzückt er erneut durch seine atmosphärisch unheimlich dichte Erzählweise. Man taucht regelrecht in die Handlungsorte ein, schreitet Seite an Seite mit den Figuren voran, rätselt und leidet mit diesen, sorgt sie um sie und kann den Text einfach nicht zur Seite legen. Zu spannend geht es zu, zu sehr fiebert man mit, angesichts der Fährnisse, die unseren Heldinnen begegnen. Und der Autor brennt ein wahres Feuerwerk an packenden Ideen und temporeichen Kämpfen ab. Da tauchen vergiftete Bücher ebenso auf, wie getarnte Zeppeline, es geht für verwunschene Brücke in heimgesuchte Refugien, es brennen Bibliotheken und werden Körper zerschmettert.

Letztere Elemente, die Kämpfe mit ihren fatalen Opfern werden allerdings ein wenig zu nebensächlich thematisiert. Wenn unsere jungen Protagonisten ihre Gegner töten müssten sie durch dieses traumatische Ereignis eigentlich heimgesucht werden, allein sie schreiten munter voran. Das ist, auch was die Gewaltdarstellung per se anbelangt starker Tobak für die Zielgruppe ab 14 Jahren. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Reflektion über die Zulässigkeit von Gewalt als Konfliktmittel und die Auseinandersetzung mit der Schuld gewünscht.

Auch die aufgeworfene Frage, was ist Realität, was Imagination, die unterschwellig mitläuft wird, ganz Meyer untypisch, eher am Rande gestreift. Im Zentrum, ja beherrschendes Thema ist der rasant aufgezogene Kampf unserer Heldinnen gegen die Bösen. Mit hineinverwoben hat der Autor jede Menge Rätsel, kriminalistische Elemente, Anleihen an Weltliteratur und erneut seine Liebe für das Medium des gedruckten Buches.

So bleibt mir als Fazit, dass vorliegendes Buch zwar nicht der beste Roman aus der Welt der Bibliomanthen ist, die Handlung aber in sich rund abschließt, den Leser mit jeder Menge Action packt und atemlos ins Finale rast.

Kai Meyer: Der Pakt der Bücher.
Fischer, September 2018.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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