Jussi Adler-Olsen: Natriumchlorid

Der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen (Jahrgang 1950) legt mit „Natriumchlorid“ den neunten Fall für Kommissar Carl Mørck aus dem Sonderdezernat Q vor. Der Thriller ist am 17. November 2021 bei dtv in einer Übersetzung von Hannes Thiess erschienen. „Natriumchlorid“ spielt im Corona-Winter 2020. Allerdings basieren die Vorgänge, wie im Prolog angegeben, auf Ereignissen aus den 1980er Jahren.

Das bekannte Ermittlerteam um Carl Mørck mit Assad, Rose und Gordon wird von Marcus Jacobsen, dem Chef der Mordkommission, auf die Todesanzeige einer Maja Petersen aufmerksam gemacht. Maja Petersen hat an ihrem 60. Geburtstag Selbstmord begangen. 1988 hatte sie bei einer Explosion in einer Autowerkstatt ihren dreijährigen Sohn Max verloren. Ove Wilders, der Chef der Werkstatt, und vier seiner Mitarbeiter kamen ebenfalls ums Leben. Am Tatort wurde ein Haufen mit Kochsalz (Natriumchlorid) gefunden. Jacobsen und Mørck ermittelten damals erfolglos in dem Fall, ein Täter oder eine Täterin konnte nicht gefasst werden.

Nun beginnt für Sonderdezernat Q das Stöbern in alten Akten, das Recherchieren im Umfeld der Autowerkstatt und das Befragen von Personen, die im Zusammenhang der damaligen Ermittlungen standen. Carl Mørck und sein Team stossen auf weitere Todesfälle, bei denen Salz eine Rolle spielt. Daneben erschweren die Corona-Maßnahmen ihre Arbeit, und Mørck sieht sich mit alten Vorwürfen konfrontiert. Schließlich gerät eine Person ins Fadenkreuz der Untersuchungen, und Gordon verschwindet plötzlich. Bis Weihnachten bleiben Carl Mørck und seinem Team nicht mehr viel Zeit, den Fall zu lösen.

Die Thriller-Reihe um Carl Mørck startete 2008. Nachdem sich im letzten Band der Reihe „Opfer 2117“ (2019) alles um Assad gedreht hatte, ist in diesem Thriller wieder Carl Mørck die Hauptperson. Und dabei wird er von seiner Vergangenheit eingeholt: ein auf seinem Dachboden abgestellter Koffer bringt ihn in Schwierigkeiten. Jussi Adler-Olsen schafft es nun auch im neunten Fall für das Sonderdezernat Q, eine spannende Geschichte zu schreiben. Als Lesende staune ich, dass den Krimi- und Thrillerautoren und -autorinnen bei der Vielzahl ihrer Bücher immer wieder etwas Neues einfällt. Adler-Olsen verknüpft eine ungewöhnliche Idee zu einem dramatischen Plot. Und auch die bekannten Charaktere in „Natriumchlorid“ offenbaren noch unbekannte Seiten. Wie gewohnt stark geraten die Dialoge im Ermittlerteam, hier z.B. zwischen Rose und Carl:

„Sie seufzte. ‚Du warst wirklich lustiger, als du nur ein mürrisches altes Arschloch warst und kein heiliges, mürrisches altes Arschloch…‘ Noch ehe Carl etwas entgegnen konnte, hatte sie auf dem Absatz kehrtgemacht. Verdammt irritierend.“ (S. 24)

Auch Assads Kamel-Geschichten finden wieder Platz, auch wenn er gelegentlich harsch im Erzählen unterbrochen wird.

Die Figuren des Sonderdezernats Q bilden die solide Grundlage, auf der Adler-Olsen seine Geschichte entwickelt. Ich möchte sie nicht missen. Die Würze des Buches kommt mit der verschachtelten Handlung und den neuen Charakteren daher, die für die Spannung, die Aufregung und den ‚Thrill‘ sorgen.

So erhalten die Lesenden mit „Natriumchlorid“ von Jussi Adler-Olsen gut geschriebene, spannende Thriller-Unterhaltung. Und damit das richtige Buch für einen langen Abend im Herbst.

Jussi Adler-Olsen: Natriumchlorid.
Aus dem Dänischen übersetzt von Hanne Thiess.
dtv, November 2021.
528 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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