Julia Holbe: Unsere glücklichen Tage

Marie, Fanny und Elsa kommen seit Kindertagen mit ihren Eltern an die französische Atlantik-Küste. Ganz in der Nähe ihres Feriendomizils wohnt die gleichaltrige Lenica, die sie schon bald auf ihren Streifzügen durch Ort und Strand begleitet. Zwischen den vier Mädchen entsteht eine Ferienfreundschaft. Doch ein bestimmter Sommer in ihrer Jugend soll der letzte Sommer sein, in dem die vier miteinander vereint sind. Danach trennen sich ihre Wege für immer und das Quartett wird es nie wieder geben. Denn Lenica ist früh bei einem Unfall verstorben. Als Elsa viele Jahre später wieder auf ihre beiden verbliebenen Freundinnen trifft, beschließen die Frauen, zum Ferienhaus zu reisen.

„Unsere glücklichen Tage“ ist im Grunde eine Liebesgeschichte. Alles dreht sich unweigerlich um Sean, einen Freund von Lenica, den Elsa in jenem verhängnisvollen Sommer, der alles zwischen den Mädchen zerstören sollte, kennenlernte.

„Er war mein Puzzleteil. Das Teil, das genau passte. Und das wusste ich schon so lange“, stellt Elsa Jahre später fest, als sie Sean wie durch ein Wunder wiedertrifft. (Zitat Kapitel „Als ich zum zweiten Mal …“) Das Aufeinandertreffen mit ihrer Jugendliebe und die Rückkehr ins Ferienhäuschen bringen Elsa dazu, den letzten gemeinsamen Sommer der fünf gedanklich aufleben zu lassen. Es gibt Sommer, Sonne und Liebe satt in diesem Roman – ohne dass er kitschig wird. „Unsere glücklichen Tage“ ist vielmehr ein schön zu lesender, berührender und sehr gut formulierter Roman, was mit Blick auf die Biografie der Autorin kein Wunder ist. Sie legt mit ihm zwar ihr Debüt vor, hat aber vorher zwanzig Jahre als Lektorin gearbeitet. Und das merkt man: Der Roman ist präzise formuliert und trifft genau den Ton, den es braucht.

„Lenica war und blieb für mich der Inbegriff, das Idealbild der besten Freundin. Der großen Liebe. Des wundervollsten Menschen auf Erden, […]. Sie hatte den schlimmsten Betrug an mir begangen, den man begehen konnte.“ (Zitat Kapitel „Als ich zum zweiten Mal …“)

Neben der ersten großen Liebe geht es auch ganz zentral um Freundschaft. Die vier Mädchen wirken unzertrennlich, doch das Leben hat es mit ihrer Freundschaft nicht immer gut gemeint. Viele Geheimnisse kommen im Verlauf der Geschichte ans Licht, die zeigen, dass nicht jede von ihnen immer ehrlich war. Man kann sogar über die offenbarten Dinge hinaus noch mehr vermuten. Auch deshalb mag ich diesen Roman so sehr. Es scheint noch mehr zu sein hinter den Zeilen.

„Unsere glücklichen Tage“ ist ganz tolle Sommer-Lektüre und es bleibt zu hoffen, dass wir von dieser Autorin noch sehr viel mehr hören werden!

Julia Holbe: Unsere glücklichen Tage.
Penguin Verlag, März 2020.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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