Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen

Selten passt ein Buchtitel so gut wie diesmal: In Joshua Ferris‘ herrlicher Geschichten-Sammlung „Männer, die sich schlecht benehmen“ geht es – genau – um Männer, die allerlei dummes Zeug machen. Nicht so dumm allerdings, dass man als (männlicher) Leser nicht gelegentlich auch ein gewisses Verständnis für ihre Schrulligkeiten hätte.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Dinnerparty“, nervt ein Mann seine Frau mit allerlei Prophezeiungen, wie schrecklich das bevorstehende Abendessen mit einem befreundeten Paar doch mit Sicherheit werden würde. Natürlich kommt alles ganz anderes: Die Gäste ziehen es vor, erst gar nicht zu kommen und unser Held macht sich auf die Suche nach ihnen.

Wir treffen Männer, die von dem Wahn befallen sind, ihre Frau habe sie verlassen, auf welche, die irgendwelchen unerreichbaren Traumfrauen hinterherhecheln, und auf solche, die auf einer privaten Stadtführung durch Prag ihre ganze Oberflächlichkeit und Arroganz heraushängen lassen.

Besonders gelungen ist eine Geschichte – „Die Brise“ heißt sie – über ein junges Paar, das am ersten Frühlingsabend des Jahres in großen Stress gerät, weil es den schönen Abend möglichst optimal nutzen möchte. Natürlich gehen alle Unternehmungen – egal ob Picknick im Freien oder essen gehen in einem Restaurant mit Traumaussicht – schief und sie stellen fest, dass es vermutlich besser gewesen wäre, den Abend einfach zu Hause auf ihrem Balkon zu verbringen.

Das alles ist knackig, manchmal rotzfrech, lebensnah und humorvoll geschrieben, und man folgt als Leser einfach gerne den Männern – und manchmal sind es auch Frauen – auf ihren Irrungen und Wirrungen.

​Die Geschichten des 1974 geborenen US-amerikanischen Autors sind zutiefst menschlich und zeigen die milden Abgründe im Seelenleben, mit denen sich vermutlich die allermeisten von uns zumindest zeitweise herumschlagen müssen.

Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen.
Luchterhand Literaturverlag, Oktober 2018.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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