Joshua Cohen: Buch der Zahlen

Am Tag der Anschläge auf das World-Trade-Center in New York bricht auch für den erfolglosen Autor Joshua Cohen die Welt zusammen: sein neues Buch scheitert und seine Frau verlässt ihn. Auch sonst entwickelt sich sein Leben recht aussichtslos, bis er den Auftrag erhält, die Memoiren seines Namensvetters zu schreiben: die des schwerreichen Internetmoguls Joshua Cohen.

Die beiden reisen gemeinsam um die Welt und führen lange Gespräche. Dabei erfährt der gescheiterte Autor, wie es möglich war, dass aus einem einfachen Studenten der Mann wurde, der mit seinen Suchalgorithmen das Internet revolutionierte und es zum Milliardär brachte.

Joshua Cohen ist ein junger amerikanischer Autor, dessen ‚Buch der Zahlen‘ nun auch auf Deutsch erschienen ist. Auch wenn der kurze Anriss der Handlung möglicherweise nach einer eher simplen Story klingen mag, so steckt in Cohens Buch doch wesentlich mehr. Denn es geht nur oberflächlich um die beiden Protagonisten. Tatsächlich thematisiert und kritisiert Cohen in einer bisweilen geradezu hellseherischen Art die Digitalisierung vieler Lebensbereiche. Es geht um die Macht von Unternehmen wie Google oder Facebook und all die Auswüchse des Internet, die einen immer stärkeren Einfluss auf unser tägliches Leben haben. Dazu gehört freilich auch die große Freiheit, die es möglich macht, dass jeder Blogger quasi beliebige Informationen verbreiten kann, ob sie nun wahr sind oder nicht. Cohen thematisiert ferner das gerade brandaktuelle Thema der Fake-News und geht der Frage danach, was mit den Daten geschieht, die von uns allen beständig im Internet gesammelt werden. Stichwort: ‚Big Data‘.

Der Milliardär Joshua Cohen stiehlt sich im Buch relativ einfach aus der Verantwortung und hat mich dabei leider viel zu sehr an die Realität erinnert, in der Firmenchefs dies in der Regel ebenfalls versuchen. Ein aktuelles Beispiel ist da der Abgasskandal.

Insofern ein inhaltsschweres Buch, das ich vorbehaltlos empfehlen würde, wenn es nicht aus 752 wirklich schwer lesbaren Seiten bestehen würde. Ich kann es leider nicht anders sagen, als dass ich mit dem Stil, in dem Cohen schreibt, alle Mühe hatte. Meiner Ansicht nach ist zumindest eine gewisse Lesbarkeit ein Kennzeichen eines wirklich guten Buches. Das fehlt mir hier völlig. Und ich finde es schade für dieses inhaltlich eigentlich sehr interessante Werk.

Allerdings gibt es eine Begründung für den Stil, den Cohen verwendet. Dazu habe ich ein (englischsprachiges) Interview gefunden, in dem er kritisiert, dass mittlerweile die Beurteilung der Qualität von Literatur ebenfalls oft durch Computer erfolgt. Also auch hier das Thema ‚Big Data‘.

Wohl aus diesem Grund spielt er in seinem Buch daher mit der Sprache. Im genannten Interview sagt er, dass jedes Kapitel des Buches aus einer geraden Anzahl Absätze bestünde und jeder Absatz aus eine geraden Anzahl an Sätzen. Sogar der Name der Firma des Milliardärs Cohen ist eine gerade Zahl: Tetration (von Tetra – vier).

Das Buch hat auf alle Fälle etwas Faszinierendes und ist gewiss eine lohnende Lektüre. Als Leser sollte man sich aber bewusst sein, dass man sich auf ein umfangreiches und schwer verdaulichen Stück Literatur einlässt.

Joshua Cohen: Buch der Zahlen.
Schöffling & Co., Januar 2018.
752 Seiten, Gebundene Ausgabe, 32,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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