Joseph O’Connor: Die wilde Ballade vom lauten Leben

lebenWer Rockmusik mag, der sollte Joseph O’Connors „Die wilde Ballade vom lauten Leben“ lesen. Auf über 400 eng bedruckten Seiten zeichnet der 1963 geborene irische Autor die Karriere der vierköpfigen englischen Band „The Ships“ nach. Die gab’s zwar nicht wirklich, aber ihr Werdegang steht für den von vielen bekannten Rock-Legenden.

Das Buch, das größtenteils aus der Ich-Perspektive des Gitarristen Robbie geschrieben ist, erzählt vom Karriere-Anfang der Band in irgendwelchen üblen Kneipen des Londoner Vororts Luton über die Zeit des großen Erfolgs mit Touren durch die großen Stadien dieser Welt bis hin zu einem finalen Comeback. Zwischendurch folgen drogen- und alkoholbedingte Abstürze, Streitigkeiten der Mitglieder untereinander um irgendwelche Copyrights vor Gericht, Beziehungs-Verwicklungen und lange Zeiten der Abkehr von der Musik.
Wenn man die Geschichten von Rockgrößen wie den Beatles, den Rolling Stones oder auch Amy Winehouse sieht, kommt einem in diesem Buch sehr vieles sehr bekannt vor.

Joseph O‘Connor gelingt es hervorragend, eine unmittelbare Nähe zu seinen Figuren aufzubauen. Und das unterscheidet ihn von einem anderen ebenfalls hier besprochenen Buch, das in diesem Frühjahr zu fast exakt demselben Thema erschienen ist: „Comeback“ von Alexander Osang.

O‘Connors Roman zeigt auch, wie die Bandmitglieder zur Musik gekommen sind. Da ist der exzentrische aus Vietnam stammende Frontman Fran mit schlimmer Kindheit und Hang zur Selbstdarstellung, der sensible Robbie mit Fluchtversuchen aus dem spießigen Elternhaus und die musikalisch hochtalentierten Zwillinge Seán und Trez, dem einzigen weiblichen Bandmitglied.

Übrigens: Dass Joseph O‘Connor einen Roman über Musik schreibt, scheint nicht ganz zufällig: Seine jüngere Schwester ist die bekannte Sängerin Sinéad O’Connor („Nothing Compares 2 U“).

Joseph O’Connor: Die wilde Ballade vom lauten Leben.
S. Fischer, Mai 2015.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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