Jonathan Safran Foer: Hier bin ich

foerNach seinen ersten beiden gefeierten Romanen „Alles ist erleuchtet“ (2002) und „Extrem laut und unglaublich nah“ (2005) hat der US-amerikanische Autor Jonathan Safran Foer elf Jahre geschwiegen. Jetzt ist sein neues Werk, ein 700-Seiten-Wälzer, unter dem Titel „Hier bin ich“ erschienen.

Es geht um gleich zwei große Themen: den langsamen Verfall einer Ehe und das Verhältnis amerikanischer Juden zu Israel.

Beeindruckend ist vor allem der Ehe-Teil. Mit allergrößter Genauigkeit seziert der 1977 geborene Autor – oft über Dialoge – das Auseinanderdriften von Jacob und Julia Bloch, die drei gemeinsame Söhne haben. Äußerer Anlass für das Zerwürfnis ist ein erotischer SMS-Wechsel Jacobs mit einer Kollegin, den Julia entdeckt. Im Grunde hätte dieser Part gereicht, um daraus ein richtig schönes Buch zu machen.

Stattdessen jedoch erfindet Foer zusätzlich ein Erdbeben, das Israel beinahe um seine Existenz bringt, weil die arabischen Nachbarn die Schwächephase des Landes ausnutzen wollen. Als der israelitische Premierminister alle Juden auffordert, nach Israel zu kommen, um im Krieg zu helfen, muss sich auch Jacob entscheiden.

Dieser Part dürfte vor allem Leser ansprechen, die ein generelles Interesse am Nahostkonflikt und an der Situation der Juden in der heutigen Welt haben. Und das ist mutmaßlich eben nicht jeder, der sich auch für Ehekrisen interessiert. Aus dem Stoff zwei Bücher zu machen, wäre vielleicht auch eine Möglichkeit gewesen – eventuell sogar die bessere.

Jonathan Safran Foer: Hier bin ich.
Kiepenheuer & Witsch, November 2016.
688 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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