Jonas Jonasson: Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte

Wieder hat der Autor des „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg“ eine herrliche Satire vorgelegt, ein furioser Spaß mit absurden Verstrickungen und kuriosen Verwicklungen und vor allem mit genial verrückten Figuren.

Zwar schießt Jonas Jonasson manches Mal über das Ziel hinaus, verläuft sich in Nebenhandlungen und verliert den Faden im Gewirr der Geschicke seiner Charaktere, aber das trübt nicht die Freude bei der Lektüre seines neuesten Machwerks.

Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge, die dennoch zu einem haltbaren Konstrukt verwebt sind. Da haben wir den Kunsthändler Viktor, der sich auf üble Weise die Kunsthandlung seines Schwiegervaters erschleicht, dann aber unmittelbar nach dessen Tod seine Frau, die Tochter ebendieses Kunsthändlers, quasi mittellos vor die Tür setzt. Da haben wir Kevin, den möglicherweise Sohn von Viktor, den seine Mutter kurz vor ihrem Tod in Viktors Obhut gibt, was diesem jedoch keineswegs in den Plan passt. Also setzt Viktor Kevin, als dieser kurz vor der Volljährigkeit steht, mitten in Afrika in der Savanne aus, hoffend, die hungrigen Löwen würden sein Problem lösen. Und schließlich haben wir Ole Mbatian, den Medizinmann der Massai, der den ihm von Gott gesandten Sohn Kevin zum fähigsten Massai des Dorfes ausbildet. Kevin, Ole und Jenny, Viktors betrogene Ex-Frau, schließen sich zusammen, um gemeinsam mit Hugo, dem Direktor der „Rache ist süß GmbH“, an Viktor ausgiebig und genüsslich Rache zu nehmen.

Zu diesem skurrilen Personal gesellt sich noch ein seine Pensionierung herbeisehnender Kommissar, Hugos von seiner Frau verlassener Bruder und diverse Statisten, wie Polizisten, Finanzbeamte oder Auktionatoren.

Die Handlung ist so absurd, dass sie schon fast wieder möglich erscheint. Allein die abgefahrenen Ideen, mit denen Hugo die Rachegelüste seiner Kunden befriedigt, sind schreiend komisch. Vollends absurd wird es, als sich herausstellt, dass Ole Mbatian im Besitz von sehr wertvollen Gemälden ist oder vielmehr war, deren Echtheit aber nicht feststeht. Nun versuchen natürlich alle Beteiligten, dieser Bilder habhaft zu werden. Hier wird die Geschichte schließlich richtig spannend, auch weil sich natürlich die Leserin fragt: sind die Bilder tatsächlich von Irma Stern oder vielleicht doch gefälscht?

Der Ideenreichtum dieses Autors ist beeindruckend und beneidenswert. Dabei sind auch seine Satzkonstruktionen, die sarkastischen, mitten in einem Satz versteckten Randbemerkungen, die stets in Schwarze treffenden Spötteleien, bewundernswert formuliert und eingesetzt. Ein Dank an die Übersetzerin Astrid Arz, die das so geschickt in Deutsche übertrug.

Insgesamt also, trotz der bereits erwähnten Abschweifungen, die doch das eine oder andere Mal für unnötige Längen sorgen, ein absolutes Lesevergnügen.

Jonas Jonasson: Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte.
C. Bertelsmann, Oktober 2020.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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