John Wray: Die rechte Hand des Schlafes

Oskar Voxlauer ist als sehr junger Mann Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen. Dann hat es ihn nach Rußland verschlagen, wo er eine Frau hatte, die an den Folgen der Säuberungsaktionen gestorben ist. 1938 kehrt er zurück in sein Österreichisches Heimatdorf und ist natürlich nicht mehr der, der er war. Aber auch das Dorf hat sich verändert und der Nationalsozialismus hält Einzug.

Bei dem Buch habe ich ständig geschwankt zwischen „wie genial“ und „ja aber“. Fasziniert hat mich zunächst einmal die Tatsache, dass überhaupt jemand ein Buch über ein Bergdorf in Österreich zur Zeit des Anschlusses an das Reich schreibt. Auch dort hat der Nationalsozialismus Einzug gehalten, auch dort kommen bestimmte Menschentypen an die Macht und andere leiden darunter.

Voxlauer will über seine Zeit in Rußland nicht reden und hat dafür gute Gründe. Die werden im Buch auch nach und nach beschrieben. Das ist mit den Rückblenden der geniale Teil des Buches, der an Hemingway oder Remarque erinnert. Oskar zieht nicht verständlicherweise von den Menschen zurück, ist nicht mehr der leicht zu gängelnde Teenager, den sie alle kannten. Er lernt eine Frau kennen und lieben und hier wird es verwirrend. John Wray überläßt so viel dem Urteil und der Fantasy des Lesers, dass es manchmal unverständlich wird. Voxlauers Handlungen und Motive werden unklar, auch die deutliche Beschreibung alter Traumata ändert nichts daran, dass man mit diesem Protagonisten einfach nicht mehr warm wird. Dazu kommt, das schon recht viele Klischees über die Zeit abgearbeitet werden. Kommunisten, Juden, SS-Leute und Anverwandschaft, all das bleibt papieren und trifft nicht ins Herz des Lesers. Schade eigentlich.

Das Ende kommt unvermittelt und irgendwie unfertig. Insgesamt bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, eben wegen der Thematik, fand es aber nicht überzeugend.

John Wray: Die rechte Hand des Schlafes.
rororo, November 2017.
384 Seiten, Taschenbuch, 10,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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