John Scalzi: Das Imperium der Ströme 01: Kollaps

Seit gut 1000 Jahren, nachdem die Verbindung über die Ströme zur heimatlichen Erde verloren ging, ist die Machtpyramide im Reich der Ströme festzementiert. Die Aristokraten, die sich aus den Handelshäusern rekrutierten ordnen sich mehr oder minder willig einem Herrscher unter, die Ströme verbinden die menschlichen Habitate in den unterschiedlichen Sternensystemen miteinander. Geplant war, dass keine menschliche Ansiedlung ohne die anderen existieren würde können, schließlich sollen die Handelshäuser ja prosperieren, doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass die verbindenden Ströme in kurzer Zeit zusammenbrechen werden.

Dass gerade eine Zeit des Umbruchs angebrochen ist, dass der Imperator starb und eine nicht sonderlich gut auf ihr Amt vorbereitete Erbin an seine Stelle tritt erschwert die Lage. In Ende, dem einzigen Planeten, der für ungeschützte Menschen geeignete Lebensumstände anbietet tobt – wie üblich – ein Bürgerkrieg. Kiva Lagos, die Raumfahrerin und Angehörige eines der mächtigsten Handelshäuser des Imperiums wurde von dem Abgesandten eines konkurrierenden Handelshauses um ihren Profit gebracht und zunächst auf Ende festgesetzt. Als der Bürgerkrieg immer brutaler wird, sattelt sie um. Statt Früchte transportiert sie jetzt zahlungswillige Adelige zur Hauptwelt – so man sie denn lässt, möchte ihr alter Intimfeind sie doch gerne im System festsetzen.

Marce Claremont wird von seinem auf Ende weilenden Vater zur Hauptwelt entsandt um der Imperatorin vom bevorstehenden Zusammenbruch der Ströme zu berichten – allein, auch er ist ins Vizir des feindlichen Handelshauses geraten. Schnell wird deutlich, dass dieses eine Übernahme der Macht anstrebt. Auf der Zentralwelt kommen die Parteien zusammen – mit Intrigen, Verrat und Anschlägen soll eine neue Ordnung ausgerufen werden …

Seine „Old Man“ Romane sind legendär und haben dem Autor weltweit Meriten eingebracht. Nun aber möchte er sich, nach einigen nicht ganz so erfolgreichen Einzelromanen, einer neuen Romanreihe widmen. „Das Imperium der Ströme“ soll die Geschichte von mächtigen Handelshäusern in einer fernen Zukunft heissen, deren fragiles Macht- und Wirtschaftsgefüge zu kollabieren droht. Wahrlich nicht ungeschickt, und von Bernhard Kempen wie gewohnt wunderbar ins Deutsche übertragen, beginnt er seine Saga mit dem Bild einer markanten Figur.

Kiva flucht und fickt, zieht ihre Geschäftspartner ebenso mitleidlos über den Tisch wie ihre eigene Raumschiffmannschaft und hat doch irgendwie das Herz am rechten Fleck. Sie ist eine tatkräftige, nun Heldin mag ich sie nicht nennen, Erzählerin, der man gerne folgt und die eben wegen ihrer Ecken und Kanten glaubwürdig rüberkommt.

Als Zweite wird die just neu bestellte Imperatorin vorgestellt. Diese versucht alles richtig zu machen, ist aber ob ihrer neuen Position unsicher und wird von Anschlägen verfolgt. Hier kommt der Mitleid-Faktor gehörig ins Spiel, wobei sie als Figur gegen Ende hin deutlich an Kontur gewinnt. Die bislang unauffälligste Figur innerhalb des „Helden-Triumvirats“ ist der introvertierte Forscher Marce. Er ist erst Forscher, dann gejagtes Wild, Bettgefährte und schlüpft schließlich in die Rolle des Vertrauten.

Weit interessanter, und darauf zieht der Plot, der ganz klar im Zeichen der Einführung der Welt(en) mit ihren politisch-wirtschaftlichen Realitäten steht, ist der Kampf der Dynastien um wirtschaftliche Überlegenheit, um Macht und Status. Hier wirkt der Plot sehr ausgereift, kann man nachvollziehen, wie die Machtbalance 1000 Jahre funktioniert hat.

Als Bonbon hat uns der Autor, um die Lektüre kurzweiliger zu gestalten, dann die Intrigen, die Attentate und ein paar wirklich fiese Kämpfer beigegeben, so dass sich die Lektüre, auch wenn ich ein wenig den Scalzi eigenen Humor vermisst habe, kurzweilig und spannend anbot.

Ein Auftakt ist gemacht, warten wir ab, ob der Autor an seine gefeierten Old man Erfolge wird anknüpfen können.

John Scalzi: Das Imperium der Ströme 01: Kollaps.
Fischer Tor, Oktober 2017.
416 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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