John Marsden: Morgen war Krieg

krieg»… Corrie und ich sagten, wir wollten in den Busch und während der Weihnachtsferien einige Tage wie Wilde leben« (S. 9)

Aus der Idee wird ein Plan und schnell ein Erfolg bei den Eltern. Zu siebt fahren die Jugendlichen in die Berge, zu einem zugewachsenen Tal, das »die Hölle« genannt wird. Und während sie unter Bäumen faulenzen und Spaß haben, findet eine Invasion statt. Ihre Eltern, fast die gesamte Bevölkerung der Umgebung werden gefangen genommen. Als die Erzählerin Elli und ihre Freude heimkehren, finden sie verlassene Häuser, verhungerte Haustiere und an manchen Stellen Kampfspuren. Völlig auf sich gestellt, planen sie ein Verweilen in der Hölle. Dies kann nur funktionieren, wenn sie mehr über die Armee und das Schicksal ihrer Familien erfahren. Von jetzt auf gleich müssen sie um ihr Überleben kämpfen, dass unweigerlich Folgen haben wird.

John Marsden, geboren 1950 in Australien, veröffentlichte ab 1987 viele, auch preisgekrönte Bücher. »Morgen war Krieg« wurde verfilmt und erschien 2010 in Australien. Das Thema dieses Jugendromans ist die Grenzerfahrung junger Erwachsener, die über sich selbst hinauswachsen. Verliebtsein und Freundschaft sind so fest in ihrem neuen Alltag eingebettet, dass die Freunde daraus Kraft und Motivation für ihre gefährlichen Unternehmungen ziehen. Denn ihre Gegner sind zum Teil ausgebildete Soldaten, die zuerst schießen und dann fragen.

Elli erzählt von den Gefahren und Erfolgen so plastisch, dass der Leser von der Geschichte des Überlebens gefangen genommen wird. Darüber hinaus nimmt sie sich Zeit, die neue Situation zu hinterfragen. Anstand und Menschlichkeit sind zwei Begriffe, die Elli und ihre Freunde für sich neu definieren.

»… Auch ich hatte wie der Einsiedler Blut an meinen Händen, und so wie ich nicht sagen konnte, ob seine Handlungen gut oder schlecht waren, konnte ich auch nicht sagen, wie meine Handlungen waren. Hatte ich aus Liebe zu meinen Freunden getötet, als Teil eines edlen Kreuzzugs, um Freunde und Familie zu retten und unser Land zu befreien? Oder hatte ich getötet, weil mir mein Leben wichtiger war als das der anderen?« (S. 237)

Wann ist der Mensch in Notsituationen ein Mensch? Dies ist eine der großen Fragen, die Elli auf ihrem Weg in die Welt der Erwachsenen stellt.

John Marsdens Fortsetzungen dürften ebenfalls eine spannende und aufschlussreiche Lektüre sein.

John Marsden: Morgen war Krieg.
Carlsen, März 2016.
310 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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