John Fante: Der Weg nach Los Angeles (1936)

In den 30er-Jahren geschrieben, in den 80ern erstmals veröffentlicht, jetzt von Alex Capus hervorragend und mit viel Liebe zum Detail neu ins Deutsche übersetzt – das ist John Fantes erster Roman „Der Weg nach Los Angeles“, den immerhin der große Charles Bukowski zum Besten gerechnet hat, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.

John Fante (1909-1983) beschreibt das Leben seines Alter Egos, Arturo Bandini, bei dem Eigenwahrnehmung und Realität etwas auseinanderdriften, um es einmal vorsichtig auszudrücken: Bandini hält sich selbst für einen großen Denker und für den größten Schriftsteller aller Zeiten, arbeitet dem zum Trotz aber in einer Fischfabrik und kommt jeden Abend stinkend zu Mutter und Schwester nach Hause. Vor allem die Schwester verachtet ihn und es gibt täglich Streit. In der Fischfabrik wird er zum Einstand verprügelt und würgt sich wegen des Gestanks, der dort herrscht, die Seele aus dem Leib.

Die einzige wirkliche Freude im Leben bereiten ihm die Frauenbilder, die er aus Illustrierten ausgeschnitten hat und die er sich im Kleiderschrank seiner Schwester anguckt.

In den 30er-Jahren fand sich für eine solche Art von Literatur kein Verlag, der sie gedruckt hat: zu roh, zu direkt. Doch gerade das macht sie für heutige Leser aus. „Der Weg nach Los Angeles“ bietet eine vollkommen ungeschönte, ursprüngliche Innensicht auf jemanden, den man gemeinhin als Loser oder schlimmen Angeber bezeichnen würde.

Das ist stellenweise schreiend komisch, hat aber genauso gut leisere Momente, in denen zwischen den Zeilen durchscheint, wie sensibel besagter Bandini ist, wie sehr er sich nach Zuneigung und Anerkennung sehnt und wie schüchtern er im Grunde ist, wenn es zum Beispiel darum geht, eine Frau anzusprechen. Da bleibt er lieber dabei, sie stundenlang zu verfolgen. Lesenswert!

John Fante: Der Weg nach Los Angeles (1936).
Blumenbar, Dezember 2017.
268 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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