John Corey Whaley: Hochgradig unlogisches Verhalten

Seit einigen Jahren geht der 16-jährige Solomon nicht aus dem Haus. Er wird übers Internet unterrichtet, seine Eltern machen die nötigen Besorgungen. Solomon leidet unter Agoraphobie und fühlt sich nur drinnen im Haus wohl. Es ist nicht so, als würde er dort nur depressiv sitzen, nein, mit seinen Eltern und in sicherer Umgebung kann er lachen und fröhlich sein. Freund allerdings hat Solomon keine. Nie besuchen ihn andere Jugendliche und von der Welt dort draußen hört er nur Geschichten. Das alles beginnt sich zu ändern, als Lisa, seine ehemalige Mitschülerin, Interesse zeigt und ihn besuchen möchte.

Agoraphobie ist eine Angststörung, die vor allem in Menschenmengen ausgelöst wird. In besonders schweren Fällen – wie bei Solomon – kann der Betroffene nicht mal mehr die eigenen vier Wände verlassen. Deswegen kennt Solomon all die Dinge, die normale Jugendliche gerne machen, nicht. Bisher hat er sie auch nicht vermisst, sondern genießt im Gegenteil seine kleine, planbare Welt ohne Überraschungen und mit den Menschen, die er kennt und mag. Eigentlich hat er nur zu seinen Eltern und seiner Oma Kontakt, die ihn in regelmäßigen Abständen besuchen kommt. Seine Mutter ist Zahnärztin und hier kommt Lisa ins Spiel. Sie taucht eines Tages in der Praxis seiner Mutter auf und fragt nach ihm. Dann gibt sie ihm sogar einen Brief mit und ruft an. Und Solomon geht tatsächlich ans Telefon.

Als Leserin oder Leser lernt man auch Lisa kennen und weiß sehr schnell, was ihre Absicht ist. Sie muss, um ein Stipendium zu bekommen, einen Aufsatz über ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen schreiben. Solomon erzählt sie von ihren Absichten freilich nichts und sucht seine Nähe und Freundschaft. Das Chaos ist also vorprogrammiert.

Der Roman ist kurzweilig geschrieben, teils sehr witzig formuliert und behandelt selbst im Rahmen des untypischen Themas Agoraphobie die typischen Themen des Jugendromans. Schon bald entspinnt zwischen Solomon, Lisa und deren festem Freund Clark ein Gefühlschaos der Extraklasse und im Garten von Solomons Familie wird ein riesiges Loch gegraben. Solomon hätte gerne einen Swimming-Pool. Ob er allerdings jemals den Garten oder gar das Wasser betreten wird, ist vorerst offen. „Hochgradig unlogisches Verhalten“ ist nette, wenn auch nicht grandiose Unterhaltung für Zwischendurch mit der einen oder anderen pfiffigen Szene und einigen wichtigen Erkenntnissen für die Hauptfiguren. Eine gute Geschichte über Freundschaft, die für Jugendliche ab 13 Jahren interessant sein kann. Ganz nebenbei lernen sie auch noch einige wichtige Informationen über Agoraphobie, die sich wie selbstverständlich in den Text einfügen und gar nicht lehrbuchhaft wirken.

John Corey Whaley: Hochgradig unlogisches Verhalten.
Hanser, Juli 2017.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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