John Bargum: Septembernovelle

sepSeptembernovelle ist eine hintersinnige Geschichte, deren tiefere Bedeutung vielen Metaphern entspringt.
Der Autor John Bargum schildert darin die jeweilige Beziehung von Olof und Harald zu Elin, mit der beide einmal verheiratet waren. Von einer gemeinsamen Segeltörn der beiden Männer kehrt nur Olof allein zurück.

Im ersten Teil lesen wir die Schilderung des Bankers Olof gegenüber einem Kriminalbeamten über die Zeit, die er mit seiner Frau Elin verbracht hat und was sich zugetragen hat, als er mit Harald aufs Meer hinausfuhr.
Interessant ist hierbei, dass Bargums Erzählhaltung nicht von Olofs Sichtweise abweicht und dabei konstant das Niveau hält.

Der zweite Teil schildert Haralds Blickwinkel auf seine Ehezeit mit Elin und die Segeltörn mit Olof in ganz anderer Weise in einem Brief, den er zurückgelassen hat.

Wer von den beiden Männern hat die Wahrheit gesagt?
Liegt der Schlüssel zu den Antworten bei Elin, die alle ungewöhnlichen Vorkommnisse als Zeichen gewertet hat?
Überall im Text finden sich Vorzeichen und Zusammenhänge. – So auch in den Namen der Segelboote von Olof und Harald:
Der Autor hat Olofs Schiff wohl nicht zufällig mit dem Namen Alkyone versehen. – Zum einen wird der hellste der Plejadensterne Alkyone genannt, eigentlich aber ist das Boot nach der einst unglücklichen Königin Alkyone mit ihrem traurigen Schicksal benannt.
Haralds ehemaliges Schiff hat Elin auf Berenike getauft, – namensgleich mit einem Sternenschweif und ebenfalls einer einstigen Königin, deren Opfergabe ihr wunderschönes Haar war … – Spätestens als Elin ihre Haare kurzschneiden lässt, sollte man beim Lesen stutzig werden.
Alle Betrachtungsweisen liefern Antworten.

Über das immer wieder im Text auftauchende Segler-Latein (Großfall, Plicht, Großschotenwagen, Unterliek, Cunninghamstrecker…), das sich für Landratten nur mit Phantasie erschließen lässt, liest man gern hinweg, da die Fachsprache letztlich Authenzität vermittelt.

Diese Erzählung ist wie ein Zimmer, das nach dem Öffnen verschiedener Türen größer wird.
Der Tonfall des Textes wechselt von wie beiläufig Dahingesagtem zu Momentaufnahmen mit beunruhigender Spannung.

John Bargum: Septembernovelle.
Mare Verlag, August 2014.
112 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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