Jörg Fauser: Rohstoff (1984)

Jörg Fauser war eine Art Bürgerschreck und Kultautor der 80er-Jahre. Er sah sich selbst in der Tradition bekannter amerikanischer Beatnik-Autoren wie Jack Kerouac und William S. Burroughs, die auf bürgerliche Konventionen pfiffen und ihr Leben lieber den Drogen, dem Alkohol und der Liebe widmeten. Nun hat der Schweizer Diogenes-Verlag dankenswerterweise drei Bücher mit Werken Fausers wiederaufgelegt, eines Autors, der nur 43-jährig im Jahre 1987 beim Versuch starb, eine Autobahn im Vollrausch zu überqueren.

In „Rohstoff“, erstmals erschienen 1984, wendet er sich der Zeit um 1968 zu, die zumindest in den Großstädten durch die Studentenrevolte, die Kommune I, besetzte Häuser und das Aufkommen der RAF geprägt war. Fausers Protagonist Harry Geld, ein Alter Ego des Autors, bewegt sich stets am Rande dieser Szene, ohne selbst je im Mittelpunkt zu stehen. Dabei ist die Selbstironie ein gut funktionierendes Stilmittel, dessen sich der Autor durchgängig bedient. So lässt sich „Rohstoff“ auch als ein Bildungsroman des Scheiterns lesen – dem Scheitern beim Versuch ein anerkannter Schriftsteller zu werden, der mit dem Schreiben seine Brötchen verdient, dem Versuch, dauerhafte Beziehungen zu Frauen aufzubauen oder wenigstens einen adäquaten Job zu finden, solange das mit dem Schreiben verdiente Geld noch nicht reicht.

Und so erleben wir Fauser im Delirium, im Umgang mit Frauen, auf verquasten Lesungen, beim Versuch zu schreiben und auf schiefgehenden Gesprächen mit Verlegern, Arbeitgebern oder Fernsehleuten.

Das alles liest sich enorm kurzweilig und ist zugleich ein gutes Zeitdokument für die Zeit um 1968. Es zeigt die Handelnden aus großer Nähe.

Neben „Rohstoff“ sind zeitgleich Fausers Detektivkrimi „Das Schlangenmaul“ und „Rohstoff Elements“, eine Sammlung aus kürzeren Fauser-Texten und Gedichten, im Diogenes-Verlag erschienen.

Jörg Fauser: Rohstoff (1984).
Diogenes, Mai 2019.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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