Joe R. Lansdale: Hap & Leonard 11: Bissige Biester

Camp Rapture ist nicht unbedingt die netteste Gegend. Statt Vorortidylle herrschen hier die Gangs, selbst die Bullen des lokalen Reviers sind, nun nennen wir es einmal so, nicht unbedingt die hellsten Sterne am Himmel. Gerüchte wollen gar wissen, dass die Weißbrote von Bullen ihre Finger in so gut wie jedem Verbrechen des County haben. Prostitution, Drogenhandel und Mord – alles wird von ihnen gedeckt oder auch gleich selbst, gegen ausreichend Bares oder perversen Gefälligkeiten versteht sich, ausgeführt. Die Leichen lassen sie im Sägespan-Tümpel des lang aufgegebenen Sägewerks verschwinden.

Hap und Leonard werden engagiert, den Mord an einem jungen Schwarzen aufzuklären. Ein Zeuge, na gut, er wohnt in Project was bedeutet, dass er keine Zukunft, kein Leben und schon gar keine Reputation besitzt, will gesehen haben, wie drei Bullen den Jungen zu Tode prügelten. Dass irgendetwas dran ist, an den Vorwürfen gegen das Polizei-Revier wird schnell deutlich. Doch irgendwie können sich unsere beiden Neu-Detektive des Eindrucks nicht erwehren, dass sie nur einen Teil der Geschichte zu hören bekamen und noch gar nicht wissen, um was es eigentlich geht.

Hap & Leonard geht in seine nächste Runde. Leider wurde, trotz guter Zuschauerzahlen, die kongeniale Verfilmung nach der dritten Staffel eingestellt, Joe R. Lansdale aber hält seinen so markanten Helden die Treue. Wieder einmal wendet sich unser Duo gegen Korruption, Willkür und Unrecht. Sie ermitteln da, wo andere nie hinschauen würden, auch wenn das Honorar mehr als dürftig ist. Schließlich geht es darum den aufgeblasenen Saftsäcken, die meinen ein Sheriff-Stern berechtigt sie dazu, jenseits aller Gesetze zu agieren, kräftig in die Eier zu treten. Und sie teilen aus – wortwörtlich und verbal. Lansdale macht das, was er am Besten kann – er übt beißende Gesellschaftskritik, berichtet uns überzeugend und gleichzeitig unterhaltsam vom Elend des schwarzen Ghettos, der Perspektivlosigkeit der Armen und dem Rassismus auf beiden Seiten. Ja, nicht nur die Weißen verunglimpfen ihre dunkelhäutigen Landsleute, auch die Afro-Amerikaner haben ihre fest gefügten Vorurteile, was die Weißbrote anbelangt.

Das ist deftig, ja vulgär dabei aber auch beißend real und aufwühlend – ein echter Hap & Leonard eben, auch wenn unsere beiden Helden auch nicht eben jünger werden. Hoffen wir, dass sie uns noch lange erhalten bleiben!

Wer mehr von Hap und Leonard lesen möchte, dem darf ich nachfolgend kurz die deutschen Romane in chronologischer Reihenfolge auflisten:

  1. Wilde Winter (Shayol / Golkonda)
  2. Texas Blues / Mucho Mojo (Rowohlt / Goldkonda)
  3. Mambo mit zwei Bären (Rowohlt) / Bärenblues (Goldkonda)
  4. Schlechtes Chilli (Dumont)
  5. Rumble Tumble (Shayol)
  6. Machos und Macheten (Golkonda)
  7. Das Dixie-Desaster (Golkonda)
  8. Roter Drache (Golkonda)
  9. Krasse Killer (Golkonda)
  10. Hap & Leonard – Die Storys (Golkonda)
  11. Bissige Biester (Golkonda)
  12. Blood and Lemonade (Golkonda Frühjahr 2019)
  13. Jackrabbit Smile (Golkonda Herbst 2019)

Joe R. Lansdale: Hap & Leonard 11: Bissige Biester.
Golkonda Verlag, November 2018.
296 Seiten, Taschenbuch,16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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