Jodi Picoult: Die Spuren meiner Mutter

mutterTod und Trauer sind ja schon in mehreren der letzten Bücher von Jodi Picoult ein großes Thema, ebenso wie Schuld. Dieses mal verbindet sie das mit den Tieren, die für ihre Trauer, ihr langes Gedächtnis, aber für ihr gnadenloses Verfolgtsein bekannt sind: Elefanten. Elefanten trauern, da ist sich Alice Metcalf ganz sicher. So sicher, dass sie ihre Forschungsarbeit darauf ausrichtet. Das war vor 10 Jahren. Dann verschwand sie.

Heute ist ihre Tochter Jenna 13 und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Gemeinsam mit dem ehemaligen Medium Serenity und dem abgehalfterten Privatdetektiv Virgil versucht sie herauszufinden, was vor 10 Jahren im Elefantengehege ihrer Eltern geschah. Wurde die Pflegerin wirklich von der Elefantenkuh niedergetrampelt oder hatte Jennas Mutter etwas damit zu tun und ist deshalb geflohen?

Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Alice übernimmt dabei den Part, der die Parallelen zu den Elefanten zieht, wie es schon Luke Warren in „Solange Du bei uns bist“ für die Wölfe getan hat. Auch in „Die Spuren meiner Mutter“ wird sehr viel über das Sozialleben und insbesondere die Trauerarbeit der Elefanten beschrieben. Man bekommt ein gutes Gefühl für die Feinfühligkeit und das soziale Leben der Dickhäuter und möchte sie mehr als jemals zuvor beschützen. Jenna berichtet über die Suche nach ihrer Mutter und die immer wieder aufkommende Frage, warum Alice sie einfach so zurücklassen konnte. Serenity und Virgil blicken aus ihren ganz eigenen Perspektiven auf die Geschichte. Man kann nicht viel mehr über den Inhalt verraten, ohne die Spannung wegzunehmen, denn das Ende ist wirklich ein Knaller und ganz neu und ganz anders für Jodi Picoult. Deswegen eine Warnung: Bitte der Versuchung zuerst ans Ende zu blättern unbedingt wiederstehen. Es lohnt sich.

Insgesamt ist der Roman gute Unterhaltung, wobei mit der Elefantenjagd, aber auch mit der Trauerarbeit aktuelle Themen gut aufgegriffen werden. Verglichen mit Jodi Picaults anderen Büchern fehlte mir allerdings der Gegenpart, der normalerweise ein gesellschaftlich brisant-aktuelles Thema aufgreift, wie es Organspende und Lebensverlängerung um jeden Preis in „Beim Leben meiner Schwester“ oder „Solange Du bei uns bist“ waren.  Trotzdem ist es ein spannendes Buch, das mit der Elefantenwilderei auf ein unmögliches Kapitel der Menschheit aufmerksam macht.

Jodi Picoult: Die Spuren meiner Mutter.
C. Bertelsmann Verlag, August 2016.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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